«Politik ist wie Rockmusik»

Direkter, bissiger, immer noch sympathisch: Lisa Catena zeigt in der Cappella ihr zweites Kabarettprogramm «Das Wahlversprechen». Dabei kriegt der ganze Politbetrieb sein Fett weg.

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Suchen Sie noch nach einem geeigneten Beruf? Politiker könnte die Lösung sein – findet zumindest Lisa Catena: «Da braucht es weder einen Abschluss noch Berufserfahrung. Und vor allem: Kein hoch qualifizierter Ausländer wird Ihnen die Stelle wegschnappen.» So tönen die Spitzen, die Lisa Catena in «Das Wahlversprechen» austeilt.

Es ist das zweite Kabarettprogramm der Bernerin, die zunächst als Liedermacherin auftrat. Den Erstling «Wäutfriede», in dem sie das naive Blumenmädchen Luna gab, hatte sie mit dem Förderpreis des Oltner Kabarettcastings entwickelt und daraufhin 2013 als erste Frau den Swiss Comedy Award gewonnen. Nun aber hat sie Hippiekleidchen und Haarband gegen Lederjacke und Guns-N'-Roses-T-Shirt ausgetauscht. Die Sprüche sind direkter, die Pointen bissiger geworden.

Redselige Chauffeurin

Lisa Catena chauffiert den Ruchti Wale, einen Nationalrat, der hie und da zu tief ins Glas schaut und deswegen den Führerschein verloren hat, zu seinen Terminen. So lautet die Rahmengeschichte des neuen Programms. Daher weiss Catena so einiges aus dem Nähkästchen zu plaudern und zieht ihren eigenen Schluss daraus: «Politik und Rockmusik ist eigentlich das Gleiche: Die Aussage ist nicht so wichtig. Hauptsache, es tönt gut.» In ihrem Rundumschlag gegen den Schweizer Politbetrieb macht die Kabarettistin vor keinem Thema Halt. Seien es Landwirtschaftssubventionen oder Krippenförderung – alles bekommt sein Fett ab. Bei aller Bosheit bleibt Lisa Catena indes sympathisch.

An Schautafeln erklärt sie die Entstehung der Schweiz, etwa dass man die Kantone Tessin und Waadt nur in die Eidgenossenschaft einbezogen habe, um die Weinversorgung sicherzustellen. Und sie präsentiert den «Phrasomat»: Mit ein paar richtig geordneten Kärtchen mit politischen Phrasen lässt sich jede Rede schwingen.

Raffinierte Wortspiele

Der Humor ist zwar simpel, aber wirksam. Vor allem punktet Lisa Catena mit ihren mehrdeutigen Wortspielen. Immer wieder greift sie zur Gitarre und bringt in Liedern ihre Beobachtungen auf den Punkt. Ausschliesslich bei der Politik bleibt Lisa Catena dann doch nicht. Im breitesten Berndeutsch erzählt sie auch von ihrer Kindheit im Berner Oberland, wo man erwachsen war, sobald man das erste Mal Malibu getrunken und in der Dorfdisco Slow getanzt hatte.

Nächste Vorstellung: Mi, 13.5., 20 Uhr, La Cappella, Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.05.2015, 09:06 Uhr

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