Lustig in Gottes Namen

Der amerikanische Komiker David Javerbaum verbreitet auf Twitter Botschaften des Allmächtigen.

Der 42-jährige David Javerbaum ist ein erfolgreicher Komiker, der für seine Arbeit ein gutes Dutzend Emmys gewonnen hat.

Der 42-jährige David Javerbaum ist ein erfolgreicher Komiker, der für seine Arbeit ein gutes Dutzend Emmys gewonnen hat.

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Er sitzt in seinem Büro und schreibt an einem Drehbuch, als Gott zu ihm kommt. Der Allmächtige verlangt von ihm, er solle fortan sein Sekretär sein und ihm einen Twitter-Account einrichten. Widerfahren ist das Ganze dem amerikanischen Komiker David Javerbaum – so erzählt und behauptet dieser zumindest. «Gott liebt die Idee, zu den Leuten zu sprechen, ohne dass sie ihn um etwas bitten können.»

Die Fortsetzung der Geschichte: Javerbaum legt sein Drehbuch zur Seite und steht Gott fortan als Sprachrohr und Tweet-Tipper zur Verfügung. Eine nicht ganz einfache Arbeit, «Gott ist sehr fordernd». Zu jeder Tages- und Nachtzeit muss Javerbaum seine Kurznachrichten verschicken. Sie werden von über 1,5 Millionen Menschen gelesen. Im Internet ist Gott sichtbarer denn je, das Profilbild seines Twitter-Accounts (@TheTweetOfGod) zeigt ihn in weissem Gewand, mit wallendem Haar, grauem Bart und leicht verärgertem Blick.

Knapp 10'000 Nachrichten hat Gott seit Herbst 2010 versendet. Manche sind informativ, wie die Liste der häufigsten Wünsche in Gebeten (Platz 1: Schauspieler Ryan Gosling, Platz 10: ein Pony). Manche sind philosophisch: «Essen und sauberes Wasser sind so toll – manchmal denke ich, jeder sollte Zugang zu ihnen haben.» An seltenen Tagen gewährt Gott gar Einblicke in sein Seelenleben: «Das viele Töten in meinem Namen führt dazu, dass ich mich sehr geliebt fühle.» Er kann aber auch hinterhältig sein, etwa wenn er sagt, dass er gewisse Gruppen von Menschen mehr mag als andere – ohne zu verraten, welche.

Ein gutes Dutzend Emmys gewonnen

Zu Beginn ärgerte sich David Javerbaum darüber, dass Gott ihn als Sprachrohr benutzte, hatte er selbst doch andere Projekte. Der 42-Jährige ist ein erfolgreicher Komiker, der für seine Arbeit ein gutes Dutzend Emmys gewonnen hat. Als Student stand er auch immer wieder auf der Bühne. Aber Javerbaum merkte schnell, dass er besser schreibt als spielt.

Also schrieb er für David Letterman, für die Satirezeitschrift «The Onion», für Musicals am Broadway und zehn Jahre lang für «The Daily Show». Viele Amerikaner halten die Satiresendung, die sich über selbstgerechte Politiker und Journalisten lustig macht, für ehrlicher als herkömmliche Nachrichtensendungen. Moderator Jon Stewart ist eine Institution. Eines habe er dort gelernt, sagt Javerbaum: «Je mehr ein Witz aus einer Wahrheit entspringt, desto besser ist er.»

Nebenbei schrieb Javerbaum, der mit seiner Familie in Los Angeles lebt, Bücher («Amerika», «Die Erde»). Sein neustes Buch hat Gott geschrieben. «Das letzte Testament» ist eine Ansammlung von Gottes Meinung zu allem und jedem. Bei guten Verkaufszahlen kann Gott sich eine Fortsetzung vorstellen, 2015 wird das Buch am Broadway aufgeführt.

«Verbreite diesen Tweet, und dir sei vergeben»

Als Sprachrohr ging Javerbaum auf Promotour, beantwortete Interviewfragen mit heiligem Ernst und ohne eine Miene zu verziehen. Der Beweis dafür, dass das Buch wirklich von Gott ist? «Sein Foto ist auf dem Umschlag.» Waren viele Menschen verärgert über Gottes Twitter-Botschaften? «Ja, aber nicht genug.» Die Ladenkette Walmart – immerhin – weigerte sich, «Das letzte Testament» zu verkaufen.

Angst vor dem Jüngsten Gericht hat Komiker Javerbaum nicht. Wie schrieb Gott doch selbst auf Twitter: «Verbreite diesen Tweet, und dir sei vergeben.»

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