«Lue, i bi doch ä liebe Siech»

Am Donnerstag feiert Timmermahn den 70.Geburtstag. Mit einem Fest, mit 800 Besuchern, aber ohne Geschenke. «Weil ich alles habe.» Und weil er alles selber macht: malen, dichten, inszenieren, erzählen.

Das Porträt seines Sohnes ist dieses Jahr entstanden. Vater und Sohn: Timmermahn malt in seinem Atelier im obersten Stock des Bauernhauses in Rüeggisberg.

Das Porträt seines Sohnes ist dieses Jahr entstanden. Vater und Sohn: Timmermahn malt in seinem Atelier im obersten Stock des Bauernhauses in Rüeggisberg. Bild: Urs Baumann

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Wenn einer 70 wird, hagelt es gute Wünsche und schneit es schadenfrohe Ermunterungen. «Jetzt fängt der Spass erst richtig an.» Und es regnet Geschenke. Nicht so bei Timmermahn. Er will keine. Heute lädt er zur Geburtstagsfeier ins Berner National ein. Anmeldung erforderlich, das Programm ist eine Überraschung. Der Saal ist ausgebucht. 800 wollen dabei sein. Präsente dürfen sie nicht mitbringen. «Weil ich schon alles habe», schreibt der Maler, Theatermann, Poet und Erzähler in der Einladung.

Zumindest hat er vieles, sehr vieles. Das Bauernhaus in Rüeggisberg, das er mit seiner Frau Sandra bewohnt, ist gross und vollgestopft. Mit Krims und Krams, mit Wichtigem und Liegengebliebenem. Und mit den Töffjacken, die er sammelt. Sie hängen an Wänden und Stühlen, wenn jetzt Stiefel durchs Haus dröhnen würden, wären dies Bikerfreunde, die mit ihm und seiner Harley losbrausen möchten.

Über das Berndeutsch und all diese Kopuliererei

Mit dem Töff übers Land zu fahren, sei meditativ, sagt er. Besinnlich wirkt auch sein Atelier im obersten Stock des Bauernhauses. Durch die grossen Fenster sieht man die Alpen und den Kirchturm von Rüeggisberg. Heile Welt. Auf seinen Bildern ist die Welt zwar auch im Lot, aber im Timmer-Land gelten andere Gesetze. Da ist die Micky Maus. Ein lieber lustiger Kerl. Aber Timmermahn malt ihn mit Penis. Das ist nicht wirklich erotisch oder gar Porno. Aber halt etwas derb.

Er wolle mit seiner Malerei nicht anecken, sagt er. Oder auf Timmermahn-Deutsch: «Lue, i bi doch ä liebe Siech.» Stimmt. Es fällt schwer, ihn nicht zu mögen. Aber es gibt sie, sie sind mitten unter uns, die Timmermahn-Gegner und -Kritiker. Da ist jene Frau, die ihm entrüstet geschrieben hat, dass er das schöne Berndeutsch besudle, «mit all der Kopuliererei». Der angesprochene Dialektbesudler erzählt das etwas hämisch. So ganz der Heilige Timotheus ist er dann doch auch wieder nicht.

Obwohl er auch über das Jenseits Bescheid weiss. Schliesslich machen sich anständige Menschen mit 70 Gedanken über ihr Ableben. «Ich fürchte den Tod nicht», sagt er tapfer. Er halte es mit den Buddhisten. Für sie sei das irdische Dasein eine Schule, die auf das höhere Bewusstsein vorbereite. Und abschliessend: «Ja, es gibt ein Leben nachher.»

Über die Dächlikappe und all diese vielen Haare

Vorderhand hält er sich noch ans Leben vorher. Da gibts noch einiges zu tun: malen, «klar, solange ich kann». Er ist mit seinem Bühnenprogramm unterwegs. Nächstes Jahr sorgt er wieder um Mitternacht auf hoher See auf der Rock&Blues-Cruise für eine auch mal ziemlich versaute Märchengeisterstunde.

Früher hat er sich noch intensiver beschäftigt mit den Geistern, die er rief, mit Drogen. Von LSD-Erfahrungen schwärmt er. «Du musst mal einen überwachten Versuch wagen, dann weisst du mehr über dich.» Unterdessen sei er längst clean, beschwichtigt er. Timmie ist ruhiger geworden. Und hat Gewohnheiten aufgegeben. Die Dächlikappe etwa. Früher war sie angewachsen. Jetzt hat er sich von ihr getrennt – wohl weil er eitel ist und seine dichten Haare zeigen will.

1942 kam er im Süden der USA zur Welt, in Bern wuchs er auf. Kaum erwachsen, zog es ihn fort. Seit zehn Jahren lebt er nun im ländlichen Rüeggisberg. Von wegen Provinz: Die Gemeinde führt ihn auf ihrer Webseite. Timmer ist der Mahn, der unter keinen Hut passt. Wortspiele mag er, und so vielseitig ist er, dass es unübersichtlich wird. Richtig reich geworden ist er nicht. Zwischendurch wars auch mal knapp. Bei Notfällen half und hilft der Tibet-Spaniel namens Yoorish. «Wenns eng wird, rede ich mit ihm. Dann tröpfelt wieder was herein», sagt er. «Wirklich, wahrhaftig, es stimmt.»Peter Steiger;Geburtstagsfeier: heute, National Bern, ausgebucht.

Auftritte: 14.Dezember: Humorfestival Arosa. 24.Dezember: Mühle Hunziken, Rubigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.10.2012, 11:27 Uhr

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