Kunstmuseum krebst zurück

Die Erweiterung des Kunstmuseums Bern ist aufgeschoben, zuerst wird nur geflickt: Nach Protesten der Berner Architekten zieht das Kunstmuseum sein Projekt zurück, das es im Juni vorgestellt hat. Präsident Jürg Bucher befürchtet Mehrkosten.

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Seit Wochen hat ein Teil des Kunstmuseum-Stiftungsrats den Abbruch der Projekts gefordert, jetzt hat er sich durchgesetzt.

Das Museum hat am Freitagmorgen bekannt gegeben, dass es das Projekt «Modernisierung Kunstmuseum Bern» nicht weiterverfolgt. Erst im Juni hatten Stiftungsratspräsident Jürg Bucher und Museumsdirektorin Nina Zimmer das Vorhaben vorgestellt: eine Sanierung und zugleich eine Erweiterung der Ausstellungsfläche.

Erfolgreicher Protest

Doch bald zog Gegenwind auf: Gegen das Vorgehen wehrten sich die Berner Architekten. Die Lokale Sektion des Branchenverbands SIA reichte beim Erziehungsdepartement Beschwerde über die Vergabe ein. Wegen des Zeitdrucks hatte das Büro Jordi + Partner den Auftrag ohne Ausschreibung erhalten – ein heikles Vorgehen, weil das Kunstmuseum zwar privatrechtlich or­ganisiert, aber vorwiegend über Steuergeld finanziert ist. Somit wäre eine Ausschreibung Pflicht. Weil aber die Klimaanlage in sehr schlechtem Zustand ist und deshalb die Zeit drängt, stellte sich das Museum auf den Standpunkt, das Vorgehen sei korrekt.

Der Zeitdruck ist nun wiederum der Grund, warum das Kunstmuseum zurückkrebst: Es kann sich keine jahrelange Auseinandersetzung mit den vereinigten Architekten leisten. So wird ab nächstem Sommer saniert. Die Erweiterung ist auf Eis gelegt.

Pragmatischer Entscheid

Stiftungsratspräsident Jürg Bucher bedauert auf Anfrage den Richtungswechsel. «Ich bin auch heute der Meinung: Das Modernisierungsprojekt wäre die vernünftigste Lösung.» Nicht nur für das Haus, dem es eine baldige «Attraktivitätssteigerung» beschert hätte, sondern auch für den klammen Kanton. Für Bucher ist klar, dass für den Kanton Mehrkosten entstehen, nachdem das kompakte Umbaupaket gescheitert ist. Mit Jordi + Partner, die um den Auftrag gebracht wurden, habe man sich gütlich geeinigt. «Das Museum muss keine Konventionalstrafe bezahlen.»

Pikant am Vorgehen des Museums war nicht nur, dass ein grosser Auftrag freihändig vergeben wurde – es ging total um eine Investitionssumme von 40 Millionen Franken. Wobei laut Jürg Bucher nur die Architekturleis­tungen ohne Ausschreibung vergeben worden sei, «ein tiefer einstelliger Millionenbetrag».

Heikel war darüber hinaus, dass mit Jordi + Partner ein Museumsinsider zum Handkuss kam. Dennoch will sich Bucher nicht ein blauäugiges Vorgehen vorwerfen lassen. «Als der neue Dachstiftungsrat von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee im Sommer 2015 seine Arbeit aufnahm, machte er eine Lagebeurteilung und sah: Wir müssen rasch handeln.»

Die Sanierung ab 2018 umfasst Arbeiten im Atelier-5-Bau: die Klima- und Kälteanlage und das Kunstdepot. Bucher rechnet mit einer Dauer bis Ende 2019. Die Massnahmen kosten 7 Millionen Franken. Laut Bucher werden sämtliche Aufträge über Ausschreibungen vergeben. Der Stettlerbau, also das Haupthaus, ist nicht betroffen und soll während der ganzen Sanierung ge­öffnet bleiben. Weil die Fläche dennoch knapp wird, will das Kunstmuseum auch auswärts Ausstellungen organisieren.

Zwickmühle verhindert

Der Stiftungsrat hat den Übungsabbruch beschlossen, bevor der zuständige Regierungsrat Bernhard Pulver einen Entscheid über die Beschwerde des Architektenverbands SIA gefällt hat. Damit verhindert er, dass Pulver einen Entscheid befangen fällen muss: Als wichtigster Geldgeber des Museums ist die Erziehungsdirektion selbst im Stiftungsrat vertreten. Allein diese Konstellation hat die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der SIA die Beschwerden weitergezogen hätte, falls die Erziehungsdirektion sie abgelehnt hätte.

Bleibt der zweite Teil des Pakets, die Erweiterung der Ausstellungsfläche. Wann das Kunstmuseum den Wettbewerb dazu lancieren will, ist noch unklar.

Erstellt: 29.09.2017, 15:33 Uhr

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