Für die Kunst über Stock und Leim

Künstlerin Isabelle Krieg

Kissen, Kisten und Kleber: Die Künstlerin Isabelle Krieg schafft eigens für die neue Ausstellung im Kunstmseum eine grosse Insallation.

Stefanie Christ@steffiinthesky

Regal, Tische, Stühle und Kisten: Isabelle Krieg schiebt die Möbel zusammen, stapelt sie übereinander. Immer wieder geht sie einige Schritte zurück, um ihre M öbellandschaft aus der Distanz zu betrachten.

«Curriculum» nennt die 37-jährige Freiburger Künstlerin ihre Installation, die sie für die Ausstellung «Ego Documents» im Kunstmuseums Bern einrichtet. Kuratorin Kathleen Bühler wurde auf die Arbeit aufmerksam, als Krieg 2004 in Moutier ihren ganzen Haushalt im Museum aufbaute. «Curriculum», Lebenslauf, hiess bereits diese Arbeit, doch die neue Installation im Kunstmuseum ist keine Wiederholung. «Ich wollte schliesslich meinen Haushalt nicht erneut auseinander nehmen», so Isabelle Krieg. Stattdessen türmt sich jetzt der ganze Inhalt ihres Ateliers an den Museumswänden.

Neben Gebrauchsgegenständen wie Möbeln, Kissen, Folie und Schnur finden sich auch Teile von älteren Installationen in der Menge – also Gegenstände, die nicht nur von der Privatperson Krieg, sondern vor allem von der Künstlerin Geschichten erzählen.

Entsprechend stellt «Curriculum» (2008) für sie ein Fazit ihres bisherigen Schaffens dar: «Es ist wie ein Timeout, und ich kann mir die Frage stellen, wie es künstlerisch weitergehen soll.» Wie in der Vorstellung Während sie sich in Gedanken diese Frage stellt, packt Isabelle Krieg weiter hart an. Bis zur Eröffnung von «Ego Documents» nächste Woche will sie aus den Gegenständen eine Landschaft mit Gefälle gebaut haben, über die ein Fluss fliessen soll. Solche grossen Installationen baut die Künstlerin meist selber auf. Und dies überaus präzise. Obwohl sie nicht bis ins kleinste Detail planen kann, wie die verschiedenen Gegenstände zusammen passen, kommen die Installationen meist genauso heraus, wie sie sich diese vorstellt. Neben den Vorbildern Bestehend aus zahlreichen Einzelteilen, anfälligen Materialien wie Papier oder Karton sowie ohne Anleitung sind die Installationen für ein Museum umständlich zu lagern und zu konservieren.

Was, wenn sich das Kunstmuseum Bern nach der Ausstellung für einen Ankauf interessieren würde? «Natürlich würde ich dann eine Anleitung verfassen und stünde dem Museum für künftige Aufbauten zur Verfügung», erklärt Krieg. Der Gedanke, dass ihr ganzes Lager in einem solchen Fall auf einen Schlag leer wäre, stört Krieg nicht, «darauf könnte ich gut verzichten.» Im Kunstmuseum kann Isabelle Krieg nicht nur frei walten, sie stellt zudem Raum an Raum mit ihren grossen Vorbildern, etwa Louise Bourgeois, aus. «Das ist eine grosse Ehre.»

Ermöglicht hat dies Kathleen Bühler, indem sie auch einheimischen, jungen Kunstschaffenden die Tore ins etablierte Ausstellungsinstitut öffnet. «Das ist eine sehr gute Entwicklung», schwärmt Krieg und widmet sich wieder ihren Gegenständen. Stapelt Regale, Tische, Stühle und Kisten, die langsam eine Gebirgskette erkennen lassen.

Berner Zeitung

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