Das Feuer der Kunstförderung

Sammeln, fördern, ausstellen: Seit 200 Jahren prägt die Bernische Kunstgesellschaft (BKG) die kantonale Kunstszene. Das Jubiläum feiert sie mit der aufschlussreichen Ausstellung «Feu sacré» im Kunstmuseum Bern.

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Stefanie Christ@steffiinthesky

Wie lassen sich 200 Jahre Bernische Kunstgesellschaft in einer Ausstellung zusammenfassen? Diese Frage stellten sich Kunstmuseumsdirektor Matthias Frehner und Kuratorin Annick Haldemann zu Beginn des Projekts. Dass die Jubiläumsausstellung im Kunstmuseum stattfinden würde, war schnell klar – immerhin weibelte die BKG früh für ein Museum an der Berner Hodlerstrasse, das 1879 eröffnet wurde. Doch die vielzähligen Aktivitäten der kantonalen Gesellschaft, die 1813 von Kunstfreunden gegründet wurde (siehe Kasten), lassen sich nicht so einfach in ein paar Ausstellungsräume packen. Schliesslich fokussierten Frehner und Haldemann auf die Kunstförderung der BKG. So versammelt «Feu sacré» Werke von 103 Preisträgerinnen und Preisträgern des renommierten Aeschlimann-Corti-Stipendiums, das die BKG seit 1942 jährlich vergibt und mit dem bis anhin 193 Künstler geehrt wurden.

Von Spürnasen

Markus Raetz, Kotscha Reist, Esther van der Bie, Martin Ziegelmüller, Julia Steiner, Carlo Lischetti, Quynh Dong oder Francisco Sierra: Die Liste der vertretenen Kunstschaffenden birgt wenige Überraschungen. Fast ist man geneigt zu sagen: Klar, wurden gerade diese Namen von der BKG gefördert, das sind ja auch die wichtigsten Berner Kunstschaffenden ihrer Zeit. Doch die BKG mit ihrem «Feu sacré» für die zeitgenössische Kunst zeichnete nicht etwa etablierte Berner aus, sondern Künstler, die sich ihren Platz in der Berner Kunsthistorie erst noch sichern mussten. Dass einem in der Jubiläumsausstellung wenig unbekannte Positionen begegnen, zeugt also nicht etwa von Vorsicht, sondern von Weitsicht – und der guten Spürnase der Jury, die aktuell von Annick Haldemann präsidiert wird.

und Schmelzwasser

Gerade weil die ausgezeichneten Künstler zu einem Zeitpunkt gefördert wurden, in dem sie ihren heute bekannten Stil noch nicht entwickelt hatten, trifft man in «Feu sacré» auf überraschende Arbeiten. Etwa schablonenartige Pop-Art-Porträts von Franz Gertsch («Paar», 1969). Oder auf Schaumstoffskulpturen der für Video- und Fotoarbeiten bekannten Künstlerin Chantal Michel. Die nach Epochen gegliederte Ausstellung lässt verschiedene Schlüsse über das Berner Kunstschaffen zu. Ab den Neunzigerjahren zeichnet sich eine Zunahme multimedialer Werke ab. Wunderschönes Beispiel: «Intervall vital» (1992) von Frantiček Klossner. Ein Abguss des Künstlerkopfs aus Eis hängt von der Decke. Das Schmelzwasser tropft in ein darunter liegendes Becken und verzerrt das Bild eines sich windenden Körpers, das auf die Wasseroberfläche projiziert wird. Und die Tatsache, dass so viele Künstlerinnen wie sonst selten in einer Gruppenschau vertreten sind, zeigt, dass die BKG auch in Geschlechterfragen Weitsicht bewies.

Ausstellung: bis 5.1., Kunstmuseum Bern, Hodlerstrasse. Vernissage und Fest: heute, ab 18.30 Uhr. Konzert Destilacija: 22 Uhr.

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