Bilder, die mondsüchtig machen

Poetisch, romantisch, psychedelisch: Der Mond in der Kunst hat viele Gesichter. Die Ausstellung «Clair de lune – Mondbilder der Graphischen Sammlung» im Kunstmuseum Bern ist eine vergnügliche Schau mit ganz viel Mondlicht und Mystik.

«Mondscheinlandschaft»: Aquarell von Balthasar Anton Dunker (1794).

«Mondscheinlandschaft»: Aquarell von Balthasar Anton Dunker (1794).

(Bild: Kunstmuseum Bern)

Helen Lagger@FuxHelen

Wir möchten nervende Menschen zum Mond schiessen, schlucken leer, wenn wir wieder einmal in den Mond gucken, und bezeichnen Hinterwäldler als Menschen, die hinter dem Mond leben. Zahlreich sind nicht nur die Redewendungen rund um den Erdtrabanten, sondern auch die Bilder, die wir uns vom hellsten Himmelskörper machen.

Das Kunstmuseum Bern präsentiert zum 50-Jahr-Jubiläum der Mondlandung mit «Clair de lune – Mondbilder der Graphischen Sammlung» eine vergnügliche Schau mit rund fünfzig Werken vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Astronauten gibt es dabei keine zu sehen.

Nur in der Farbfotografie «Moonraker» (1979) des Künstlerduos Fischli /Weiss geht es um Weltraumforschung. Allerdings mit einer gehörigen Portion Ironie: Hier wird der Blick in einen Kühlschrank gewährt, wobei in diesem Mikrokosmos eine Flasche die Rolle der Rakete übernimmt.

Gezeigt werden sowohl die wissenschaftliche Faszination wie auch die poetische Dimension des Mondes.Source

Ansonsten beleuchtet die von Marianne Wackernagel, Leiterin der Graphischen Sammlung, kuratierte Schau vor allem die poetische, romantische und psychedelische Seite des Mondes. In der bildenden Kunst wird der Mond häufig als schöne Frau personifiziert.

Im Christentum gehören Mond und Maria eng zusammen. So beginnt die Ausstellung mit Darstellungen der Muttergottes des deutschen Renaissancemeisters Albrecht Dürer (1471–1528). Seine «Maria auf der Mondsichel» (um 1511) zeigt Maria als liebende Mutter mit Kind im Arm.

Der Bildtypus der Mondsichelmadonna basiert auf dem Johannesevangelium, wo eine schwangere, auf dem Mond stehende Frau beschrieben wird, die dem letzten apokalyptischen Gefecht zwischen einem Drachen und Erzengel Michael beiwohnt. Ein wildes Szenario, das den Künstlern einen spannenden Stoff lieferte.

Mondnacht im Schaukasten

Auch der Berner Ernst Kreidolf (1863–1956), den man vor allem für seine lieblichen Kinderbücher, die Blumen- oder Wintermärchen, kennt, illustrierte den Mond. In seinem Aquarell «Mond und Sterne» (1925) verlieh er dem Vollmond ein diffus melancholisches Gesicht.

Wer sich den Mond ins Wohnzimmer holen wollte, konnte dies im 19. Jahrhundert mit einem Schaukasten tun. Der Berner Genre- und Porträtmaler Franz Niklaus König (1765–1832) hatte grossen Erfolg mit seinen Transparentbildern, die er ähnlich einer Diaschau gegen Eintrittsgeld vorführte.

«Die Stadt Bern im Mondlicht, aufgenommen vom Muristalden aus» (um 1810) ist ein solches Aquarell auf Transparentpapier, welches im Kunstmuseum in einer Replik des von König entworfenen Schaukastens präsentiert wird. Was früher mit Kerzen beleuchtet wurde, passiert nun im Sekundentakt elektronisch: Das Bild mit Blick auf Fluss und Münster wird vom Mond beleuchtet und wechselt dabei die Farbe vom Blaustichigen ins Rötliche.

Ziggy Stardust lässt grüssen

Franz Niklaus König ging bei Balthasar Anton Dunker (1746–1807) in die Lehre. Von diesem deutschen Künstler, der in Bern lebte und wirkte, sind in der Ausstellung drei Mondscheinlandschaften zu sehen. Es sind frühromantische Szenen, die sowohl die wissenschaftliche Faszination wie auch die poetische Dimension des Mondes thematisieren. Auf einem der Aquarelle beobachten zwei Männer in einer Felslandschaft durch ein Fernglas den Mond. Auf dem zweiten Blatt der Serie spielt ein Lautenspieler im Mondschein, während auf dem dritten zeittypisch morbide eine Frau vor einem durch den Mond beleuchteten Grabmal kniet.

Auch die mit Gouache und Glimmer bearbeiteten Stoffbilder, Aquarelle und Bleistiftzeichnungen des 1946 in Zürich geborenen Claude Sandoz sind ganz Kinder ihrer Zeit. «Mr. Sun und Mrs. Moon» (1973) heisst die psychedelische Serie, bei der ein kindlicher Mond ein Make-up wie David Bowie alias Ziggy Stardust trägt und die Sonne aus orangen, roten und silbernen Funken frech grinst wie eine Brunnenfigur. Herr Sonne hat wohl gerade Frau Mond getroffen.

Ausstellung bis 20.10., Kunstmuseum, Bern. www.kunstmuseumbern.ch

Berner Zeitung

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