Vitus war einmal – jetzt kommt Teo Gheorghiu

Am Sonntag strahlte das Schweizer Fernsehen den Film «Vitus» aus. Das Klavier-Wunderkind aus dem Film ist mittlerweile 18 – und gab ein beeindruckendes Konzert in der ausverkauften Zürcher Tonhalle.

Dem Vitus entwachsen: Teo Gheorghiu.

Dem Vitus entwachsen: Teo Gheorghiu.

(Bild: Keystone)

«Ich bin jetzt Teo, nicht mehr Vitus.» Selbstbewusst formuliert Teo Gheorghiu, dass er seine Laufbahn nun nicht mehr vom Kinoerfolg seiner Rolle als Wunderkind in Fredi Murers «Vitus» angetrieben sehen wolle. Es ist nun Zeit, ihn als erwachsenen Pianisten wahrzunehmen – einen mit grossen Zielen. Wie hoch diese gesteckt sind, verriet er an seinem ersten Rezital in der Tonhalle mit Details wie der Wahl der letzten Zugabe, Schumanns versunkenrätselhafter «Träumerei» nämlich. Schon Horowitz, Arrau und weitere Grössen haben oft diese Wahl getroffen – und genau sie sind Teil der Tradition, in die sich Gheorghiu einreihen will: diejenige der grossen Klavierabende.

Nur adäquat ist es daher, ihn ungeachtet seines Jahrgangs 1992 auch dem Vergleich mit dieser Tradition auszusetzen. Und dieser fällt mehr als achtbar aus: Was Gheorghiu in der berstend vollen Tonhalle bot, war in jeder Hinsicht bemerkenswert. Da ist ein junger Pianist auf bestem Weg, sich mit rein musikalischen Mitteln an die Spitze zu spielen. Glasklar, kompakt und vor allem hochexpressiv stellte er Bachs Englische Suite g-Moll vor, durchaus in der Tradition etwa eines Edwin Fischer.

Akrobatische Fingersätze

Gegenüber den formalen Friktionen und dramaturgisch scharfen Schnitten in Mozarts Fantasie c-Moll zeigte er sich dann als Brückenbauer – ganz allgemein scheint Gheorghiu ein gepflegter, ausgeglichener Klavierklang am Herzen zu liegen. Er scheut selbst akrobatische Fingersätze nicht, wenn dadurch ein Phrase noch ein bisschen runder wird.

Mit Chopins zweiter Klaviersonate wurde definitiv klar: Von Gheorghiu wird noch einiges zu hören sein. Etwas mehr Interesse für zeitliche Prozesse und formale Verläufe, etwas mehr Eigensinn und Unkonformes mag bis dahin in seine Interpretationen finden – leisten könnte er sich jedenfalls vieles. Und man traut ihm zu, dass er dabei seine Uneitelkeit bewahrt.

Tages-Anzeiger

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