Unwiderstehliches Trio stilsicher im Romantikgarten

Lieder von ­Richard Strauss und Franz Schubert: In der Kirche Zweisimmen bearbeitete ein hochkarätiges Trio mit Intensität und Empathie den Romantikgarten.

Verdienter Applaus: Die 32-jährige Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann, der 29-jährige Klarinettist Andreas Ottensamer und der 48-jährige Pianist José Gallardo.<p class='credit'>(Bild: Svend Peternell)</p>

Verdienter Applaus: Die 32-jährige Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann, der 29-jährige Klarinettist Andreas Ottensamer und der 48-jährige Pianist José Gallardo.

(Bild: Svend Peternell)

Es ist kein Geheimnis und erst recht keine Neuigkeit mehr, dass das Gstaad Menuhin Festival schon seit einiger Zeit seine Hochkaräter auch in der Kirche Zweisimmen auftreten lässt. Am Mittwochabend war die bezaubernde Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann – an vielen grossen Opernhäusern der Welt begehrt – zu Gast. Und mit ihr im Schlepptau der österreichische Klarinetten-Shooting-Star Andreas Ottensamer sowie der argentinische Pianist José Gallardo. Ein Trio der Sonderklasse, wie sich – wenig überraschend – weisen sollte.

Empathie und Energie

Regula Mühlemann verfügt über eine helle, klare, farbenreiche und äusserst bewegliche Stimme, die in Höhenlagen noch zulegen, sich dort oben fast nicht sattverzieren kann. Dazu verfügt sie über hohe Präsenz und Ausstrahlungskraft und ein dramatisches Potenzial, jederzeit noch eine Schippe mit Koloraturakrobatik zulegen zu können. Jedenfalls steht und agiert sie in ihrer unprätentiösen Art mit einer gewinnenden Empathie und Energie, als wäre das alles die leichteste Sache der Welt.

Dabei sind die ausgewählten Lieder von Richard Strauss – gestützt auf Texten von Autoren der Romantik – teils hochgradig schwierig zu bewältigen. Manchmal kommen sie leise, dann wieder traurig-melancholisch daher, hie und da auch glückselig berauschend, gar frech bei der «Muttertändelei». Und sie verlieren nie die allem innewohnende Zerbrechlichkeit, den Trug, den Schatten, die Angst vor Verlusten aus den Augen. Eine Balance, die man erst finden muss. Bei der 32-jährigen Sopranistin tönt das alles enorm betörend und vital berauschend – ein rundum rundes Vergnügen.

Auf gleicher Höhe bewegt sich der österreichische Klarinettist Andres Ottensamer (29): ein feiner, subtiler Stilist mit inniger, warmer Spielweise, die keiner ablenkenden Äusserlichkeit bedarf. Er steuert bewegende Klangbilder bei, gut gestützt vom Argentinier José Gallardo (48) am Klavier mit seiner weichen Anschlagtechnik, seiner Bedachtsamkeit und Aufmerksamkeit sowie dem Bestreben, jeden Ton genau abzuwägen und ihm seine eigene Qualität zu verleihen.

Emotionales Musizieren

Und so zog das echte, intensive, schnörkellose Musizieren, das die drei verbindet, die Zuhörergemeinde in der gefüllten Kirche Zweisimmen von Anfang an in den Bann. Zu dritt veredelten sie Schuberts «Der Hirt auf dem Felsen» (das diesem Konzertabend auch den Titel gab) zu einem Klanggemälde voller Innigkeit und emotionaler Kraft – es war der Höhepunkt ganz am Schluss.

Andreas Ottensamer und José Gallardo hatten zuvor schon die Sonate a-Moll 821 «Arpeggione» zusammen bestritten. Nun aber nicht für ein Instrument zwischen Violoncello und Gitarre, wie das Franz Schubert mit dem speziellen «Arpeggione»-Instrument vorgeschwebt war, sondern – wie an diesem lauen Sommerabend schon vertraut – mit der Klarinette. Kontur- und spannungsreich, intensiv und geschmeidig, die Tempi herrlich variierend – so gestalteten der Wiener und der Mann aus Buenos Aires diesen 25-Minüter. Und steuerten so einen weiteren Beitrag zur bestens gelungenen Bearbeitung dieses viele Schichten freilegenden Romantikgartens bei. Klar, dass das Publikum nicht mehr zu halten war und begeistert applaudierte.

Andreas Ottensamer tritt nochmals in der Kirche Boltigen mit Violinist Nemanja Radulovic am Dienstag, 7. August, um 19.30 Uhr, auf.

Berner Oberländer

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