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Schwermut und swingender Blues

Pomp in Music – mit einem Blues? Geiger Christian Tetzlaff und Pianist Leif Ove Andsnes setzten das diesjährige Motto des Menuhin Festival Gstaad auf ihre Weise um. Mit Erfolg.

Völlig vertieft: Christian Tetzlaff (links) und Leif Ove Andsnes verlangten ihrem Publikum in der Kirche Zweisimmen alles ab.
Völlig vertieft: Christian Tetzlaff (links) und Leif Ove Andsnes verlangten ihrem Publikum in der Kirche Zweisimmen alles ab.
Ursina Humm

Eigentlich hat er so gar nichts Pompöses an sich. Christian Tetzlaff, der deutsche Geiger mit dem eindringlichen Ton, dessen Beschaffenheit zwischen kostbarem Brokat und fein geklöppelter Spitze alle Stufen der Greifbarkeit aufweist, wirkt scheu, macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Viel lieber geigt er, mit einer Aussagekraft, die ihresgleichen sucht.

Und mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes, der ihm punkto Authentizität in der Umsetzung des Notentextes in keiner Weise nachsteht, am Flügel. Seit über 20 Jahren finden die beiden Musiker immer wieder zu intensiven Kammermusikprojekten zusammen. So auch am Freitag.

Zum Warmlaufen gab es Mozart. Laut dem Komponisten eine «Sonate mit Accompagnement einer Violine». Überaus liebevoll, fast zärtlich empfanden die beiden Musiker die Handschrift des allzu jung Verstorbenen nach. Dann folgte abrupt die Wende: Dmitri Schostakowitsch könnte man als Gradmesser für das politische und gesellschaftliche Klima in der damaligen UdSSR ­bezeichnen.

Seine halbstündige, schwermütige Violinsonate erzählt von den Seelenqualen ihres Schöpfers und fordert einem alles ab. Auch Tetzlaffs Geige, die den ganzen Abend etlichen Kraftakten standhalten musste, meldete sich mit einer gerissenen Saite.

Etwas friedlicher, doch immer noch im Banne des Ersten Weltkrieges, mutete Leoš Janá?eks Violinsonate an. Da kam Maurice Ravel mit seiner Claude Debussy gewidmeten Violinsonate inklusive besagtem Blues gerade richtig. Versöhnlich perlten die Anfangsgirlanden, swingte ein nachdenklicher Christian Tetzlaff, die Geige zum Zupfen locker unter den Arm geklemmt, stürmte schliesslich der letzte Satz dem unverhofft stillen Ende zu.

Pomp, schlicht als Fülle definiert, fand sich am Freitag in der fesselnden Intensität, dem Klangreichtum und der inhaltlichen Dichte wieder. Zwar war die Kirche Zweisimmen nicht ausverkauft, aber wer da war, bezeugte mit atemlos stillen Momenten zwischen den Sätzen wie auch mit lauten Bravorufen und donnerndem Stampfen seinen Respekt.

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