Saisonauftakt mit einer Aufsehen erregenden Nachwuchsgeigerin

Mit dem Aufsehen erregenden Schweizer Nachwuchstalent Elea Nick und französischen Werken glückte dem Thuner Stadtorchester ein feuriger Saisonauftakt der Sinfoniekonzerte.

Elea Nick bei ihrem Auftritt mit dem Thuner Stadtorchester.

Elea Nick bei ihrem Auftritt mit dem Thuner Stadtorchester.

(Bild: Patric Spahni)

Das Publikum erlebte über das Wochenende im KKThun abseits von vielen weiteren Veranstaltungen einen feurigen Auftakt zur neuen Konzertsaison des Thuner Stadtorchesters: eine reizvolle Mischung aus französischen Werken und einer äusserst vitalen Interpretation des überaus gut gelaunten Orchesters unter der präzisen, mitreissenden Leitung von Laurent Gendre und der jungen Solistin Elea Nick.

Die 18-jährige Geigenvirtuosin aus Meilen ZH brillierte im Schadausaal des KKThun mit Edouard Lalos Symphonie espa­gnole d-Moll. Lalo verbuchte zu Lebzeiten mit dieser Sinfonie seinen einzigen grossen Erfolg, und seit der Pariser Uraufführung ist sie sowohl bei Geigern als auch beim Publikum ein grosser Hit.

Ebenso ausdrucksstark wie virtuos

Mühelos meisterte Nick auswendig spielend irrwitzig rasante Läufe mit makelloser Bogenführung. Ihre minutiöse Einteilung wirkte wie Atmen mit dem Bogen. Mit Ausdruckstiefe, ausgefeilter Technik und Spielfreude brachte sie die Zuhörenden zum Staunen und zog sie mit ihrer Interpretation voll in ihren Bann. Die originelle Mischung aus Sinfonie, Solokonzert und iberisch-folkloristischer Stimmung kam in den aussergewöhnlichen geigerischen Fähigkeiten effektvoll und virtuos zum Tragen. Wohltuend wirkten die Frische, die Leichtigkeit von pikanten Rhythmen und die attraktiven, fliessenden lyrischen Melodien in präzisem Zusammenspiel von Orchester und Solistin. Nicht weniger anspruchsvoll waren die Orchesterpassagen, die das Thuner Stadtorchester souverän und nuanciert umsetzte.

Im Scherzo des farbenfrohen Charakterstücks schimmerte in der temperamentvollen Wiedergabe eine gesunde Prise spanischer Esprit durch. Der feurige Tanz mit stets wechselndem Metrum und synkopierten Forte-Einwürfen bildete durch den Einsatz von Triangel und Harfe einen zusätzlichen Klangreiz. In einer emotionalen Passacaglia erklang ein Trauerzug – eine unglaublich tragische Musik, gespickt mit Elementen von Hoffnung. Aufhorchen liess, wie die Solistin das reichhaltige Werk ­angriffslustig und locker auskostete. Mit lang anhaltendem Applaus und einer Standing Ovation wurden das Nachwuchstalent und das Orchester belohnt.

Das Thuner Stadtorchester umrahmte das Violinkonzert mit Gabriel Faurés amüsierender, fröhlicher «Dolly-Suite» und der Sinfonie Nr. 2 in C-Dur «Roma» von Georges Bizet. Die Thuner liessen sich von ihrem Maestro mitreissen, reagierten auf jeden Wink und jede Geste. Spielerisch, witzig wirkte die ursprünglich für Klavier geschriebene Suite, in deren Schlusssatz eine Affinität zur spanischen Musik ein weiteres Mal zum Ausdruck kam. In der dreisätzigen Bizet-Sinfonie kam der homogene Klang des Orchesters von Streichern und Harfe über Holz- bis Blechbläser und Schlagwerk voll zum Tragen: leicht, beschwingt von dezent bis volltönig. Besonders schön wirkten die Dialoge der Violinen zwischen Flöten, längeren Hornpassagen im Wechsel mit dem Tutti.

www.thunerstadtorchester.ch

Thuner Tagblatt

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