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Opulenz im Kursaal

Klassik Kristóf Baráti gibt in Begleitung des Berner Symphonieorchesters Niccoló Paganinis erstes Violinkonzert.

Kristóf Baráti nimm sich der Herausforderung von Paganinis erstem Violin­konzert an (Archivbild aus dem Jahre 2010)
Kristóf Baráti nimm sich der Herausforderung von Paganinis erstem Violin­konzert an (Archivbild aus dem Jahre 2010)
Keystone

Das ist keine leichte Kost, was das Berner Symphonieorchester unter der Leitung von Mario Venzago im Kursaal aufführt – hier wird richtig dick aufgetragen. Dabei beginnt alles ganz unprätentiös. Hector Berlioz’ eröffnender «Carnaval romain» (1844) ist süffige Musik. Höhepunkte oder dynamische Ausbrüche sucht man in diesem zehnminütigen Werk vergebens, Venzago gelingt es aber ganz im Sinne einer Ouvertüre, mit dem Symphonie­orchester eine dezente und zugleich verheissungsvolle Spannung aufzubauen.

Deutlich weniger Bescheidenheit verspricht das darauf folgende Violinkonzert von Niccoló Paganini. Der «Teufelsgeiger», wie Paganini von Zeitgenossen genannt wurde, war so etwas wie ein Popstar seiner Zeit. Für seine Konzerte bezahlten die Leute überrissene Eintrittspreise; Ohnmächtige während der Auftritte waren keine Seltenheit. Paganinis Virtuosentum überstieg alles bisher Dagewesene, weshalb er sich für seine Shows besonders effektvolle und virtuose Werke auf den Leib schrieb.

Kristóf Baráti heisst derjenige, der sich der Herausforderung von Paganinis erstem Violin­konzert annimmt. Während Venzago das Symphonieorchester durch die einleitenden Takte führt, baut sich der ungarische Violinist daneben auf: Raus mit der Brust, hoch mit dem Kinn, der Blick schweift fast ein wenig gebieterisch über das Orchester. Seine Stradivari hängt dabei lässig in der einen Hand, während er die andere mal locker ausschüttelt, mal fürs gestische Begleiten von Venzagos Dirigat braucht. Man beginnt sich zu fragen: Wird das eine Show wie seinerzeit von Paganini selbst?

Untheatralisch

Als Baráti den Bogen an seiner «Lady Harmsworth» ansetzt, kommt es anders als erwartet. Absolut untheatralisch geigt sich Baráti durch Paganinis Effektwerk. Er entlockt seinem Instrument filigranste Flageolette, saftige Klänge der tiefen Saiten, kapriziöse Läufe und Spielereien, immer mal wieder etwas Dreck – aber auch sehr viel Schmalz. Wer braucht da schon eine Show?

Das Orchester begleitet den Solisten mit vornehmer Zurückhaltung. Leider lockt auch die abschliessende Sinfonie, Robert Schumanns Vierte, es nicht mehr aus dieser Rolle heraus. Feinfühlig lässt Venzago das Orchester von Piani an- und wieder abschwellen, kompakt folgt ihm der Klangkörper durch agogische Gestaltungen. Dennoch ermüdet das Ohr an der schieren Masse der kurzatmigen melodischen Ideen. Und am Schluss bleibt ein Eindruck von Üppigkeit.

Weiteres Konzert: 9. 12., 17 Uhr, Kursaal Bern.

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