Kreative Atmosphäre statt Büromief

Die Berner Hochschule der Künste hat neue Räume an der Ostermundigenstrasse bezogen. An der Museumsnacht gibts einen Einblick in die neuen Musikräume. Aber kein Tennis.

«Happy»: Graziella Contratto, Leiterin Musik, und ihr Stellvertreter Peter Kraut.

«Happy»: Graziella Contratto, Leiterin Musik, und ihr Stellvertreter Peter Kraut.

(Bild: Andreas Blatter)

Michael Feller@mikefelloni

Wer, virtuell, vom Weltall auf die Ostermundigenstrasse 103 zufliegt, sieht zwei Tennisplätze. Ganz schön schick: Bis zum Auszug der Swisscom vor einigen Jahren traf sich hier die Teppichetage. Zum Spiel zwischendurch auf Sand, in luftiger Höhe auf dem Dach des Hochhauses.

Mittlerweile sieht es in der Liegenschaft wieder richtig hübsch aus, wenn auch frei von Pomp. Es riecht nach frischem Anstrich. Zu Semesterbeginn am 1. Februar ist die Hochschule der Künste Bern (HKB) einzogen. Zehn Theorieräume und zwanzig Übungskojen sowie Konzertsäle stehen den 450 Musikstudierenden zur Verfügung.

«Zum ersten Mal haben wir keine Platznot», sagt Graziella Contratto, Leiterin Musik, die mit dem stellvertretenden Leiter Peter Kraut durch die Räume führt. «Wir sind wirklich happy», sagt Kraut. Kreative Atmosphäre statt Büromief: Die nicht ganz einfache Aufgabe scheint vorzüglich gelöst. Nur die Wände sind noch etwas kahl.

Eng, aber ausgetüftelt

Die Architekten des Berner Büros ARB hatten beim 16-Millionen-Franken-Umbau die eine oder andere knifflige Aufgabe zu lösen. Etwa, dass die Theorie- und Konzerträume zugleich gut belüftet und perfekt schallisoliert sein müssen.

Die Kojen fürs Proben sind eng, aber ausgetüftelt: Ein Akustikdämmelement an der Wand lässt sich drehen, damit ein wärmerer Klang entsteht, wovon etwa Sänger profitieren. In jedem Räumchen steht ein kleines Mischpult zur Verfügung.

Zwischen 7 und 23 Uhr können alle Studenten mit Badge die neuen Möglichkeiten nutzen. Dass man beim Rundgang am vergangenen Freitag trotz Normalbetrieb fast keinen Pieps vernimmt, liegt aber nicht nur an der Schalldämmung. Am Freitag ist stets weniger los, weil viele Dozenten am Wochenende selbst auf Konzerttour sind.

Die neuen Räume ersetzen den Standort Zentweg in unmittelbarer Nähe. Doch das Departement Musik bleibt weiterhin auf mehrere Standorte verstreut. Der Jazz ist weiterhin am Eigerplatz untergebracht, obwohl ein Umzug an den neuen Standort zunächst geplant war.

Doch die ­Investition wäre zu hoch ausgefallen. Der Instrumentalunterricht bleibt in der Kaserne an der Papiermühlestrasse. Rhythmik und Oper sind weiterhin in Biel beheimatet. Nur die Sparte Théâtre musical zieht von Biel an den neuen Standort im Berner Nordostende.

«Kein goldener Käfig»

Die HKB-Studentinnen und -Studenten werden also wie gehabt viele Kilometer auf dem Rad abspulen oder im Bus zurück­legen. Die Standorte zwischen Feller- und Ostermundigenstrasse liegen teilweise weit auseinander – ganz anders als etwa in Zürich, wo sich die Hochschule der Künste im alten Toni-Areal konzentriert.

«Gewisse Unannehmlichkeiten gehören zum Künstleralltag», findet Peter Kraut. «Wir wollen den Studierenden gute Bedingungen bieten. Aber sie sicher nicht in einem gol­denen Käfig einsperren.» Und die Tennisplätze? «Die sind im Mietvertrag nicht inbegriffen. Leider.»

Offene Türen: An der Museumsnacht am Freitag, 17. 3., können die neuen Räume bestaunt werden. www.hkb.bfh.ch

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