Region Thun

Musikalische Reise in magische Sphären

Region ThunIm Zeichen der Magie steht das diesjährige Gaia-Musikfestival Oberhofen. Am Donnerstag stand die «Nacht der Märchen» in der Kirche Hilterfingen auf dem Programm. Vor ausverkauftem Haus verzauberten Musike­rinnen und Musiker ihr Publikum.

Die Musiker Jan Grüning, Alexander Lonquich und Christoffer Sundqvist (v.l.) meisterten Robert Schumanns «Märchenerzählungen» mit Bravour.

Die Musiker Jan Grüning, Alexander Lonquich und Christoffer Sundqvist (v.l.) meisterten Robert Schumanns «Märchenerzählungen» mit Bravour. Bild: Patric Spahni

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Erwartungsfrohes Murmeln erfüllt den Kirchenraum, bevor Gwendolyn Masin, die Gründerin des Gaia-Festivals, die Stimme erhebt und zur Begrüssungsrede ansetzt. «Bitte nicht filmen und fotografieren, denn das könnte die scheuen Tiere verscheuchen», bittet sie augenzwinkernd. Nach der Pause halte man eine Überraschung bereit, verkündet Violinistin Masin mit vielsagendem Blick.

An diesem Abend hüpft später denn auch ein Känguru vorbei, stampft ein Elefant, und ein Schwan breitet genüsslich seine Fittiche aus – denn Camille Saint-Saëns «Karneval der Tiere» wird auf besondere Weise zelebriert.

Das erste Stück in der «Nacht der Märchen» umgarnt so federleicht und elegant wie eine warme Brise. Wie Flötenklänge von Claude Debussys «Syrinx» die Zuhörenden betören können, wird mit dem Spiel der dänischen Flötistin Janne Thomsen deutlich. Bei Schumanns «Märchenerzählungen op. 132» konnte nie ergründet werden, welche Volkserzählungen er eigentlich gemeint hat mit seinem romantischen Werk und «mit guter Lust geschrieben», wie er selbst sagte.

Die vier Sätze für Klavier (Alexander Lonquich), Viola (Jan Grüning) und Klarinette (Christoffer Sundqvist), die durch ein Thema verbunden sind, haben einen grossen Vorteil für den Hörenden: Inspiriert von den warmen, verspielten Melodien und der Virtuosität der Musiker möge sich jeder unbelastet in seine eigene Fantasiewelt begeben.

Hingebungsvolle Mimik

Dort imaginär angekommen, betört Andrei Pushkarev mit der Eigenkomposition «In the Mood of Blue» am Vibrafon. Der ukrainische Musiker und Komponist beherrscht seine je zwei Schlägel pro Hand wie im Schlaf, die über die Metallplatten fliegen und einen perlenden Klang erzeugen.

So zart das Vibrafon schwingt, so aufrüttelnd packt die «Violinsonate Nr. 2 G-Dur für Violine und Klavier» von Maurice Ravel. Lang gezogene, hohe Töne, leise und laute Passagen, die sich ins schwer Erträgliche steigern, bis hin zum Bogen, der auf den Saiten tanzt, verlangt der Komponist der Violinistin einiges ab: Gwendolyn Masin scheint in Ravels Herausforderung zu baden, wie ­ihre hingebungsvolle Mimik verrät.

Das Zusammenspiel mit Alexander Lonquich erntet tosenden Beifall. Wen es etwas friert angesichts der impressionistischen Musik Ravels, dem wird bei der «Tatantella a-Moll op. 6 für Flöte, Klarinette und Klavier» von Camille Saint-Saëns wieder warm. In der gleichen Besetzung wie im Schumann-Stück gehen Querflöte und Klarinette eine leidenschaftliche Liaison ein. Alexander Lonquich und Vincenzo Maltempo beschliessen den ersten Konzertteil brillant mit Ravels «La Valse».

Plötzlich taucht der Löwe auf

Wenn Tiere Karneval feiern, passieren zuweilen Überraschungen: Camille Saint-Saëns bekanntestes Werk holt das ganze schon erwähnte Ensemble und Pavel Bialiayeu (Perkussion), Alexandra Kazovsky (Violine), Amit Even-Tov (Violoncello) und Massimo Pinca (Kontrabass) auf die Bühne.

Plötzlich taucht der Tänzer Emanuel Rüfenacht als Löwe hinter dem Flügel auf. Später performen gekonnt Maja Brönnimann und Marion Allon Tiere wie Huhn, Schwan oder Elefanten in bunten Kostümen Leuchtkugeln jonglierend und Flitter werfend. Nach langem Applaus bemerkte ein Herr: «Diese Magie heute Abend nehme ich jetzt mit nach Hause.»

Die nächsten Konzerte: 6. Mai, 20 Uhr: «Das Jagen der Magie», Klösterli Oberhofen. 7. Mai, 11 Uhr: «Heiliger Dankgesang», Schloss Oberhofen; 17 Uhr, Klösterli Oberhofen: «Von Geistern und anderen Phantastwesen». Weitere Infos online unter www.gaia-festival.com. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 06.05.2017, 08:29 Uhr

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