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«La Traviata»: Violetta stirbt, der Bahnhof jubelt

«Kühn bis zum äussersten, neu in der Form» stellte sich Giuseppe Verdi seine «Traviata» vor. Das Schweizer Fernsehen hats versucht – und live vom Zürcher Hauptbahnhof übertragen.

Opernerlebnis der besonderen Art: Eva Mei (Violetta) und Vittorio Grigolo (Alfredo) singen die Hauptrollen der «Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof.
Opernerlebnis der besonderen Art: Eva Mei (Violetta) und Vittorio Grigolo (Alfredo) singen die Hauptrollen der «Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof.
Keystone
Opernerlebnis der besonderen Art: Eva Mei (Violetta) und Vittorio Grigolo (Alfredo) singen die Hauptrollen der «Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof.
Opernerlebnis der besonderen Art: Eva Mei (Violetta) und Vittorio Grigolo (Alfredo) singen die Hauptrollen der «Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof.
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Opernerlebnis der besonderen Art: Eva Mei (Violetta) und Vittorio Grigolo (Alfredo) singen die Hauptrollen der «Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof.
Opernerlebnis der besonderen Art: Eva Mei (Violetta) und Vittorio Grigolo (Alfredo) singen die Hauptrollen der «Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof.
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20.18 Uhr.Eine grosse Liebe beginnt vor dem Café «Les Arcades». Es ist jene zwischen Violetta und Alfredo – jene zwischen Oper, Hauptbahnhof und Fernsehen lässt noch auf sich warten. Das Orchester der Oper ist kaum zu hören, die Stimmen befinden sich sozusagen im luftleeren Raum, und man kann nur staunen, wie lebendig Eva Mei und Vittorio Grigolo ihre Partien singen.

Die Balance erweist sich hier als die grösste Herausforderung des Abends. Anders als bei der «Zauberflöte», die 2007 auf zwei Kanälen zum TV-Ereignis wurde, wird bei dieser «Traviata» keine Aufführung abgefilmt. Erst für den Bildschirm wird zusammengefügt, was als Puzzleteile im Bahnhof aufgezeichnet wird. Die Sänger hören das von Paolo Carignani geleitete Orchester über Funk, sie werden abgelenkt von Hintergrundgeräuschen (die im Fernsehen kaum zu hören sind), und die Verzögerungen bei den Übertragungen zwischen den Orten stellen alle Beteiligten auf ungewohnte Proben. Dass das Orchester eine Arie gleichzeitig mit der Sängerin beendet, ist deshalb schon meisterhaft. Dass Eva Mei bei ihrer Fahrt auf dem Gepäckwägelchen ganz zu sich und zur Musik findet, grenzt an Zauberei.

20.44 Uhr.Der erste Akt ist vorbei, Moderatorin Sandra Studer kommt bereits zu ihrem vierten Auftritt. Es wird (zu) viel geredet während dieser «Traviata». Die Geschichte will erzählt sein, Protagonisten werden befragt, Zuschauer ebenfalls. Und immer wieder ist die Rede von den Schwierigkeiten des Experiments, für das man zweifellos das richtige Stück ausgewählt hat. «Kühn bis zum äussersten, neu in der Form» stellte sich Giuseppe Verdi seine «Traviata» vor. Und gehören nicht Abschiedsschmerz und Umarmungen zum Alltag auf Bahnhöfen? Schade nur, dass von diesem Alltag wenig geblieben ist; das Publikum blockiert jeden Durchgangsverkehr. So kreuzen höchstens Statisten die Wege der Protagonisten, zu denen ab dem zweiten Akt auch Angelo Veccia als Alfredos Vater gehört: Sehr sonor weiss er beim «Baretto» die junge Liebe zu zerstören.

22.43 Uhr.Die Bahnhofs-Ambulanz muss für einmal für einen Fall von Schwindsucht im letzten Stadium ausrücken. Die Feste sind vorbei, Violetta liegt auf der Bahre, statt der Sanitäter kommt Alfredo. Die klangliche Balance ist deutlich besser geworden inzwischen; die Aufführung hat ihre eigene Dynamik gefunden. Regisseur Adrian Marthaler hat im Bahnhof Ecken aufgestöbert, die wie als Bühnenbild geschaffen wirken. Die Fernsehregie von Felix Breisach spielt mit Nähe und Distanz, und die Protagonisten wirken umso lockerer, je schlechter es ihnen geht.

22.54 Uhr.Violetta stirbt, der Bahnhof jubelt. Als Zuschauerin vor dem Fernseher wischt man sich zwar keine Tränen ab. Aber man stellt doch fest, dass diese Aufzeichnung mehr war als eine Demonstration technischer Möglichkeiten.

Die Oper in Fernsehzahlen

Durchschnittlich 577'000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben am Dienstagabend auf SF 1 die Live-Übertragung der Verdi-Oper «La Traviata» aus dem Zürcher Hauptbahnhof verfolgt, wie das Schweizer Fernsehen (SF) am Mittwoch mitteilte. Damit hat jeder Dritte all jener, die am Dienstagabend vor dem Bildschirm sassen, die Geschichte von Violetta und Alfredo auf SF 1 miterlebt. Das war ein Marktanteil von 34,4 Prozent.

Nach dem herzzerreissenden Tod der Violetta schalteten viele Zuschauer ab oder um. Das Gespräch mit dem Zürcher Opernhausdirektor Alexander Pereira und anderen Fachleuten interessierte noch 268'000 Personen (29,5 Prozent Marktanteil).

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