Kids und Klicks

Radiokritik

Die Sendungen «Kontext» und «Reflexe» auf Radio SRF 2 Kultur hatten heute für einmal ein gemeinsames Thema: Wie gehen Jugendliche mit Neuen Medien um?

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Susanne Kübler@tagesanzeiger

Reizüberflutung, Vertrauensverhältnis, Medienkompetenz, Cybermobbing, Isolation: Die Stichwörter zum Thema «Jugendliche und Neue Medien» sind immer dieselben. Und natürlich fielen sie auch am heutigen Themenmorgen auf Radio SRF 2 Kultur. Die Sendungen «Kontext» und «Reflexe», die normalerweise (trotz inzwischen zusammengeschlossener Redaktionen) thematisch getrennte Wege gehen, beleuchteten für einmal verschiedene Aspekte einer einzigen Frage.

Wie sollen Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder steuern, begleiten, fördern und begrenzen? Zu dieser Frage äusserte sich in der Sendung «Kontext» die Berner Pädagogin Anja Nowacki – und ihre Ratschläge waren die üblichen. Dass es präzise (zum Beispiel zeitliche) Abmachungen braucht, dass Computer und Smartphones besser nicht im Kinderzimmer übernachten, dass man mit den Kindern über mögliche Folgen eines Facebook-Eintrags reden soll: Da wird ihr kaum jemand widersprechen.

Eine App für Englischwörter

Erhellender war da die (normalerweise mit kulturellen Themen befasste) Sendung «Reflexe», in der es um Neue Medien in der Schule ging. Denn hier gab es keine allgemeinen Tipps, sondern konkrete Beispiele. Dania Sulzer hatte sich in einer 6. Klasse in Urdorf umgehört und klischeegerecht festgestellt, dass fast alle Kinder ein Handy haben und die meisten ein Smartphone. Weniger klischeegemäss war dann allerdings die Erkenntnis, dass die Kinder durchaus oft chatten – aber die ewigen Fragen «Wie gehts dir?» und «Was machst du gerade?» ziemlich langweilig finden. Sie mache auf dem Smartphone lieber «öppis Gschiids», fand eine Schülerin, und die App zum Lernen von Englischwörtern wurde von vielen begeistert erwähnt.

Differenziert waren auch die Ansichten der Experten, die zum Zug kamen: Der Lehrer und Blogger Philippe Wampfler sprach vom verbreiteten «Bedürfnis, das Internet als Gefahr hochzustilisieren», was den Blick auf die wirklichen Entwicklungen verstelle. In der Schule ändere sich viel durch die Neuen Medien: Fächergrenzen verschwimmen, neue Vermittlungs- und Lernmöglichkeiten kommen auf, das im Studium erarbeitete Wissen der Lehrer veraltet rascher als früher.

Auch die Medienwissenschaftlerin Sarah Genner ortete in den neuen technischen Möglichkeiten viel kreatives Potenzial. Und auf die Frage zum allseits und zu Recht gefürchteten Cybermobbing wies sie darauf hin, dass in 80 Prozent der Fälle ein «normales» Mobbing dahinterstehe, das dann in die virtuelle Welt verlängert werde.

Dranbleiben

Es sei mit dem Internet wie im Strassenverkehr, so Philippe Wampfler: «Es gibt gravierende Unfälle, aber man traut den Kindern trotzdem zu, dass sie ihren Schulweg irgendwann allein schaffen.» Da waren sich alle Befragten einig: Besser, als die Kinder zu kontrollieren, ist es, sie zu begleiten, Fragen zu stellen, Folgen zu erklären (und sich selbst auf dem Laufenden zu halten über neue Entwicklungen). Also dranzubleiben am Thema Neue Medien, nicht als Polizisten, sondern als Gesprächspartner.

Dass auch Radio SRF 2 Kultur dranbleibt, ist – selbst bei relativ bescheidenem Erkenntnisgewinn – erfreulich.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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