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Jetzt beginnt die Ära der Dirigentinnen

Mirga Gražinyte-Tyla, Kapellmeisterin im Berner Stadttheater, steht für eine junge Generation von Dirigentinnen, die den Klassikbetrieb aufmischen – und entspannt mit männlichen Machtmythen umgehen.

Hoffnungsträgerin: Mirga Gražinyte-Tyla (27). Die Litauerin ist seit dieser Saison 1. Kapellmeisterin von Konzert Theater Bern.
Hoffnungsträgerin: Mirga Gražinyte-Tyla (27). Die Litauerin ist seit dieser Saison 1. Kapellmeisterin von Konzert Theater Bern.
Philipp Zinniker
Die erste Dirigentin: Fanny Hensel (1805-1847).
Die erste Dirigentin: Fanny Hensel (1805-1847).
zvg
Die Arrivierteste: Simone Young, Chefin in der Hamburger Oper.
Die Arrivierteste: Simone Young, Chefin in der Hamburger Oper.
Keystone
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Auf der Website ihres Arbeitgebers steht: «1. Kapellmeister: Mirga Gražinyte-Tyla». Kapellmeister? Das kann passieren. Wie soll man sich auch so rasch daran gewöhnen, dass plötzlich eine Frau den Takt angibt?

An einem Abend Mitte November steht sie im Graben des Berner Stadttheaters, eingerahmt von verblassten Goldstuckaturen, die der Sanierung harren. Mirga Gražinyte-Tyla dirigiert Verdis «La Traviata», ihre erste Opernpremiere als neue Kapellmeisterin von Konzert Theater Bern. Und sie dirigiert bravourös. Oper, diese verschwenderische Kunstform, die aus der Zeit gefallen ist: Sie funktioniert nur, wenn Orchester, Chor und Solisten präzise aufeinander abgestimmt sind. Mirga Gražinyte-Tyla hält den Apparat zusammen, unter Einsatz ihres ganzen Körpers, mit entschiedenen Gesten, ökonomisch und gerundet. Will sie ein Pianissimo im Orchester, so reicht ihr eine halbe Hand. Aber manchmal muss sie sich auch strecken wie die Freiheitsstatue auf Liberty Island.

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