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Grabkammer hat einen Fluchtweg

Vom Triumphmarsch über die prunkvollen Kostüme bis hin zu vielen ganz starken gesanglichen und schauspie­lerischen Leistungen – das Kinderkonzert des Menuhin Festival Gstaad bot am Sonntag mit «Aida» Pomp in Hülle und Fülle.

Für die Inszenierung von Verdis «Aida» mit knapp vierzig Kindern wurden seitens des Menuhin Festival Gstaad keine Mühen gescheut.
Für die Inszenierung von Verdis «Aida» mit knapp vierzig Kindern wurden seitens des Menuhin Festival Gstaad keine Mühen gescheut.
Markus Hubacher

Das eingefleischte Team um Margrith Gimmel (Regie) und Roumen Kroumov (Arrangements und Klavier) hat sich selbst übertroffen. Verdis «Aida» gilt als ­Synonym der spektakulären grossen Oper überhaupt. Ebenso mochten sich angesichts der anspruchsvollen Gesangspartien im Vorfeld leise Zweifel bemerkbar gemacht haben.

Doch der Mut zum Wagnis sowie unzählige Arbeitsstunden haben sich mehr als nur ausbezahlt. Besagtem Duo Gimmel/Kroumov ist es nicht nur gelungen, den knapp vierzig Kindern und Jugendlichen aus dem Saanenland den Inhalt der Oper nachvollziehbar rüberzubringen, sondern auch, ein feines Gespür für die grosse Opernliteratur und Verdis unwiderstehliche Italianità zu wecken.

Geliebter gegen eigenen Vater

Unter den zarten Klängen der Solovioline wurde also in Ägypten zum Kampf gegen die Nubier gerüstet. Aida, Tochter des nubischen Königs und Gefangene am Hofe des Pharao, sah dies mit Sorge. Dass ihr geliebter Radames zum Heeresführer erkoren wurde, machte das Ganze auch nicht einfacher, würde doch in Kürze der Mann, den sie liebte, gegen ihren eigenen Vater kämpfen.

Nach der siegreichen Heimkehr der Ägypter wähnte sich die Radames ebenfalls geneigte Pharaonentochter Amneris bereits ihrer Rivalin entledigt, verwendete der Jüngling doch seinen vom Pharao gewährten Wunsch zur Freilassung für die Kriegsgefangenen (die mit einer wohlbekannten Leihgabe aus «Nabucco» den Verlust ihrer Freiheit beklagten).

Versöhnliches Ende

Damit verwehrte er sich die Hochzeit mit Aida, erhielt stattdessen aber die Hand von Amneris als Dank. An dieser lag ihm ­jedoch nichts, was die unglücklich Verliebte derart verstimmte, dass sie selbst den vermeint­lichen Verrat herbeiführte, weswegen Radames lebend in einer Grabkammer eingemauert wurde. In dieser versteckt, wartete Aida, um gemeinsam mit ihm zu sterben. Eigentlich.

Doch die Ausführenden hatten sich für ein versöhnliches Ende entschieden, welches durchaus einem gewitzten Kinderkopf entsprungen sein könnte: Die einander feindlich gesinnten Soldaten hatten gemeinsam einen Fluchtweg aus dem Grab geschaufelt, die Liebenden konnten fliehen und wurden sicher nach Nubien geleitet.

Ein solides Ad-hoc-Orchester, von Sarah Luisa Iseli gekonnt einstudierte Tanzeinlagen und das wirkungsvolle Bühnenbild von Jacques Gimmel taten das Ihrige, um das jubelnde Publikum im vollen Festivalzelt von den Stühlen zu holen.

Kleiner Wermutstropfen

Apropos Stühle: Ob der Verwendungszweck Letzterer – genauer, jener an prominenter Lage vorn am Mittelgang – wirklich aus der Nutzung als Stehplatz für fotografierende Angehörige bestehen sollte, bleibe als kleiner Wermutstropfen der Kindervorführung dahingestellt.

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