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Er wollte seine Musik geniessen

Der Zürcher Komponist Rolf Urs Ringger ist 84-jährig gestorben.

Susanne Kübler
Rolf Urs Ringger war einer der wenigen Schweizer Komponisten, die von Aufträgen leben konnten. Foto: Keystone/Gaëtan Bally
Rolf Urs Ringger war einer der wenigen Schweizer Komponisten, die von Aufträgen leben konnten. Foto: Keystone/Gaëtan Bally

Das Wichtigste an seiner Musik sei, dass er sie selber gerne höre: So hat der Zürcher Komponist Rolf Urs Ringger seine künstlerische Haltung einst zusammengefasst. Er war nicht der Einzige, der seine Werke mochte. Als einer von ganz wenigen Schweizer Komponisten konnte er von Aufträgen leben; das Zürcher Opernhaus etwa hat gleich zwei Ballette bei ihm bestellt («Narziss» 1980 und «Ikarus» 1991). Und das Publikum durfte sich wohlfühlen in seiner hellen, schwebenden, sinnlichen Klangwelt.

Dabei hatte alles ganz anders angefangen, in Darmstadt nämlich. Ringger wurde dort Schüler von Theodor W. Adorno und setzte sich mit seriellen Techniken auseinander. Aber bald wurde ihm das Korsett der Avantgarde zu eng, und er fuhr mit einem Stück voll der verpönten Terzen nach Neapel – zu Hans Werner Henze, der sein zweiter wichtiger Lehrer wurde.

Hier fand Ringger seinen Stil, der auch ein Lebensstil war. So wie er seine Musik geniessen wollte, so genoss er das Essen in noblen Restaurants und seine Aufenthalte auf Capri. Er tat es mit einer gewissen Selbstironie, mit grosser Lust am Spiel mit Klischees, die er damit gleich wieder unterlief.

Jahrzehntelang hat er so den Schweizer Musikbetrieb belebt, als Komponist und Charmeur, als Konzertgänger mit dem unvermeidlichen Foulard – und als Musikkritiker der NZZ. Kurz und pointiert hat er geschrieben, nie grob. Als einer, der wusste, wie viel Arbeit auch hinter dem scheinbar Leichten steckte.

Nun ist Rolf Urs Ringger 84-jährig gestorben.

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