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Ein grosses Opfer

Starker Start in die Zürcher Opernsaison: Bernd Alois Zimmermanns einzige Oper «Die Soldaten» ist ein erschütterndes Stück – und Calixto Bieito ein Regisseur, der weiss, wann Zurückhaltung angebracht ist.

Im Kampfanzug sitzen die Musiker auf der Bühne, ihre Waffen sind ihre Instrumente, und das ist nicht metaphorisch gemeint. Bernd Alois Zimmermanns epochale Oper «Die Soldaten» von 1965 ist kein Feierabend-Vergnügen, sondern eine brutale Attacke auf die Zustände der Welt, ein verzweifelter Versuch, existenziellen Ängsten etwas entgegenzusetzen. Erzählt wird zwar nach der Sturm-und-Drang-Vorlage von Jakob Michael Reinhold Lenz eine schlimme Geschichte über eine junge Frau und einen jungen Mann. Aber es geht dabei um nichts weniger als um die Menschheit als Ganzes und das Böse an sich.

Es mag ja sein, dass Rebecca Ringsts Bühnenlösung mit dem gelben Gerüst für das Orchester zunächst eine pragmatische war. Denn eigentlich ist das Zürcher Opernhaus zu klein für dieses Werk – rund hundert Musiker sind zu platzieren, das Schlagzeug allein würde den Orchestergraben fast füllen. Aber der Notfall wird hier zum Glücksfall: weil man sieht, was in diesem Orchester abgeht. Weil sich zwischen den Sängern und dem Publikum für einmal kein Graben auftut. Und weil der Regisseur so kein eigentliches Bühnenbild brauchte und sich ganz ohne dekorativen Rahmen den Figuren widmen konnte.

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