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Dissonanzen beim Lucerne Festival

Machtkämpfe, Mobbingvorwürfe, Medienaktionen: Beim grössten Schweizer Klassik-Festival läuft derzeit vieles schief.

Da war noch Harmonie beim Lucerne Festival: Der nun abgesetzte Stiftungsratspräsident Hubert Achermann (l.) und Intendant Michael Haefliger im Jahr 2013. Foto: Marco Borggreve
Da war noch Harmonie beim Lucerne Festival: Der nun abgesetzte Stiftungsratspräsident Hubert Achermann (l.) und Intendant Michael Haefliger im Jahr 2013. Foto: Marco Borggreve

Morgen, so hofft man beim Lucerne Festival, soll alles vorbei sein. Dann tagt der Stiftungsrat, um Markus Hongler als neuen Präsidenten zu wählen.

Aber natürlich wird noch gar nichts vorbei sein. Zu laut waren die Misstöne der letzten Wochen, als dass sie rasch wieder verklingen würden. Es begann damit, dass die «NZZ am Sonntag» von Mobbingvorwürfen gegen den Intendanten Michael Haefliger schrieb. Und es ging am letzten Sonntag weiter mit diversen Medienberichten zum erzwungenen Rücktritt des Stiftungsratspräsidenten Hubert Achermann. Von einem üblen Machtkampf zwischen Haefliger und Achermann war die Rede. Und davon, dass der Sieger – also Haefliger – nach zwanzig erfolgreichen Intendantenjahren allmählich abtreten sollte.

Was ist hier schiefgelaufen? Wie konnte ausgerechnet das Lucerne Festival, das vor einem Jahr den Knall-auf-Fall-Rücktritt von Matthias Pintscher als Hauptdirigent der Lucerne Festival Academy so bemerkenswert diskret abwickeln konnte, nun derart unvorteilhaft ins Rampenlicht geraten?

Haefliger und Achermann sind sich zunehmend ins Gehege gekommen.

Lange hatte man ja auch die aktuellen Konflikte hinter den Kulissen ausgetragen. Haefliger und Achermann waren schon vor Monaten an- respektive auseinandergeraten. Bei der Neuausrichtung des Festivals scheint man sich noch gefunden zu haben; Haefliger hatte zwar gewisse Bedenken gegen die unter anderem von Achermann gewollte Streichung der Nebenfestivals, hat sie dann aber auch in der Öffentlichkeit durchaus positiv vertreten und ein Konzept für zwei Ersatzwochenenden entwickelt.

Danach sind sich die beiden aber zunehmend ins Gehege gekommen. Achermann habe zu sehr ins operative Geschäft eingegriffen, heisst es auf der einen Seite. Auf der anderen wirft Dominik Deuber, der als Leiter der Academy zwischen die Fronten geriet, Haefliger Mobbing vor – weil der Intendant Projekte gestoppt hat, die mit Achermann abgesprochen waren.

Dass Haefliger und Achermann sich nicht mehr finden würden, war den restlichen Stiftungsräten bald klar. Sie hielten am Intendanten fest und legten Achermann den Rücktritt nahe, den dieser akzeptierte. Und vielleicht wäre die Sache zwar nicht in Minne, aber doch ohne weiteren Eklat vollzogen worden, wenn das Lucerne Festival mit der Medienmitteilung über den Wechsel an der Stiftungsratsspitze gewartet hätte, bis Achermann seinen Rücktritt auch formell eingereicht hätte.

Für die Fortsetzung der Geschichte gibt es zwei Optionen: Eine Schlammschlacht – oder man klärt die Fragen professionell.

Aber der öffentliche Druck war nach den Mobbingvorwürfen gross, man wollte wohl möglichst rasch Klarheit schaffen, Ruhe in die Sache bringen – und hat damit erst recht für Unruhe gesorgt.

Von einem «Putsch» war die Rede in der «Schweiz am Sonntag», was einerseits klarmachte, von welcher Seite die Informationen kamen. Und andererseits auch, dass es hier nur Verlierer gibt: Hubert Achermann, der nicht als souveräner, sondern als grollender (oder zumindest schlecht beratener) Kulturfreund abtritt; Michael Haefliger, der einige Zeit brauchen wird, um die Kratzer im Image wieder glattzupolieren; und Dominik Deuber, der beim Lucerne Festival keine Zukunft mehr hat.

Für die Fortsetzung der Geschichte gibt es nun zwei Optionen: Man veranstaltet eine richtige Schlammschlacht – oder klärt die offenen Fragen professionell. Aus musikinteressierter Sicht kann man nur auf die zweite Variante hoffen; denn eine Eskalation nützt keinem, kann dem Lucerne Festival aber nachhaltig schaden. Wohlgemerkt: dem Festival, nicht nur seinem Intendanten. Und das kann eigentlich niemand wollen.

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