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Wie die Weinstein-Brüder mit «The King's Speech» Millionen machen

Die Gebrüder Weinstein haben mit «The King's Speech» wieder einen Erfolg nach ihrem Gusto gelandet. Und vor allem ist ihre wirtschaftliche Strategie dabei wunderbar aufgegangen.

Haben gut lachen: Bob (links) und Harvey Weinstein.
Haben gut lachen: Bob (links) und Harvey Weinstein.
Keystone

Bei der Oscar-Gala zeigte sich Filmproduzent Harvey Weinstein von seiner sonnig-barocken Seite. Der massige 59-Jährige, der in Filmkreisen wegen seiner Wutanfälle legendär und berüchtigt ist, genoss den Triumph von «The King's Speech» in vollen Zügen. An seiner Seite, wie fast immer, der zwei Jahre jüngere Bruder Bob. Wie immer ein wenig moderater, ein bisschen stiller.

Doch auch Bob war die Genugtuung anzusehen. Nach Jahren des Kampfes - unter anderem haben sie sich unter Schmerzen vom Ex-Miramax-Partner Disney abgenabelt - haben die Brüder Weinstein wieder einen Erfolg nach ihrem Gusto gelandet. Bester Film beste Regie, bester Hauptdarsteller, bestes Original-Drehbuch – sehr viel besser hätte es nicht laufen können für ihren Film, der die meisten (zwölf) Nominierungen vorweisen konnte.

Langsam anfangen - und dann Gas geben

Und vor allem ist die wirtschaftliche Strategie der Weinstein-Brothers wunderbar aufgegangen. Sie haben ihren Film nicht einfach auf die Cineasten-Gemeinde losgelassen. Ende November war Premiere – gerade mal in vier amerikanischen Kinos. Klasse Kritiken, ein paar kleinere Preise fürs Renommee und hymnische Mund-zu-Mund-Propaganda machten neugierig auf Tom Hoopers Regiearbeit und Colin Firth als den stotternden George VI.

Doch so richtig Gas gegeben haben die Produzenten erst nach der Nominierung. Auf einmal war der Streifen in 1680 Kinos zu sehen, am Oscar-Weekend war er in mehr als 2500 Häusern die Attraktion. Und die Besucher standen Schlange. Am Wochenende vor der Verleihung des begehrtesten Preises der Branche verdoppelten sich die Einnahmen von «The King's Speech» in den Staaten von 58 auf 115 Millionen Dollar. Bis jetzt hat die Weinstein-Produktion weltweit fast 230 Millionen eingespielt.

«Die haben das Business im Griff»

Wieder mal haben die geschäftstüchtigen Brüder die Konkurrenz abgehängt. «Das können sie», sagt Tom Sherak, Präsident der Academyy of Motion Picture Arts and Sciences. «Man muss ihnen zugestehen, dass sie dafür das Händchen haben. Wenn du erst einmal die Kritiker im Boot hast und die Leute auf blosses Hörensagen einen Film sehen wollen, dann hast du gewonnen. Dann ist das Ganze ein Selbstläufer. Und die Weinsteins haben dieses Business im Griff.»

Ja, sie haben noch eins drauf gesetzt. Da George VI. in der Originalversion flucht, dass es den erwachsenen Zuschauern eine Freude und den Zensoren ein Graus ist, hat Harvey Weinstein eine Light-Version des Films erstellen lassen. Man hört, Regisseur Hooper habe getobt. Doch das hilft bei Mister Weinstein rein gar nichts. Er bürstete Hooper ab und brachte eine Version mit einem jugendfrei stotternden King ins Kino. Auch dieses Vorgehen ist für einen Oscar-nominierten Film eine Novität.

«2011 ist ein gutes Jahr für einige Produzenten»

Neben «The King's Speech» haben in diesem Jahr auch die anderen Gewinner schon vor der Oscar-Verleihung ein grösseres Stück vom Kuchen abbekommen, als das im letzten Jahr der Fall war. Da sahnte «Avatar» gross ab – für den Rest blieb nicht so sehr viel Gewinn übrig. 2011 sieht die Bilanz für einige Filme gut aus: «True Grit» spielte in der entscheidenden Phase vor der Verleihung 29 Millionen Dollar ein und hat nun schon knapp 170 Millionen in die Kassen gespült. «Black Swan» liegt bei 104, «The Fighter» bei 90 Millionen.

«2011 ist ein gutes Jahr für einige Produzenten. Es gibt nicht den alles erdrückenden Blockbuster», sagt Paul Dergarabedian vom Marktforschungsinstitut Media By Numbers. Für «The King's Speech» prognostiziert er eine Erfolgsgeschichte wie für «Dark Knight» (der Film hat über eine Milliarde Dollar eingespielt): «Jetzt ist es wie mit einem Güterzug – er scheint unaufhaltsam.»

Ryan Nakashima/ dapd/jak

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