Von schwulen Fussballern und Medien in der Krise

Im Fokus der Solothurner Filmtage stehen der Spielfilm «Mario» und der Dokumentarfilm «Die Vierte Gewalt».

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Vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen: Berner Filme – man beachte die Mehrzahl – feiern Premiere an den Solothurner Filmtagen. Also nicht etwa ein verschupftes Machwerk in einer Nachmittagsvorstellung, sondern fast ein Dutzend abendfüllende Spiel- und Dokumentarfilme mit aktuellen Themen, von denen etliche zur Primetime aufgeführt werden (siehe Box rechts). Beim Prix de Soleure haben von neun nominierten Filmen mehr als die Hälfte Berner Bezug.

Filmförderung trägt Früchte

Es sind dies, man kann es nicht oft genug betonen, die Auswirkungen einer verbesserten Berner Filmförderung, die seit ­einigen Jahren Früchte trägt und die ein Nebeneinander ­von Gross- und Kleinprojekten ermöglicht.

Was gibts in Solothurn zu sehen? Neben Clemens Klopfensteins «Das Ächzen der Asche» (siehe Haupttext) ragt im Programm der Spielfilm «Mario» von Marcel Gisler heraus. Das jüngste Werk des zweifachen Schweizer-Filmpreis-Siegers widmet sich dem Thema Homosexualität im Fussball. Das kommt gerade richtig. Eben erst gab der Schweizer Spitzenschiedsrichter Pascal Erlachner sein Coming-out als erster Aktiver auf dem Fussballplatz. Jetzt zieht die Berner Produktion «Mario» auf fiktionaler Ebene nach: Max Hub­acher («Der Verdingbub») spielt einen aufstrebenden Fussballer, der sich in seinen Mannschaftskollegen verliebt.

Ein Tabu? Ja, die heftigen Reaktionen auf Erlachners ­Outing zeigen es. Umso gespannter darf man auf die filmische Umsetzung sein, nicht zuletzt, weil bei «Mario» die Berner Young Boys als Ausrüstungspartner fungierten und der Film teilweise im Stade de Suisse gedreht wurde. YB-Kommunikationschef Albert Staudenmann erklärte während der Dreharbeiten: «Die Young Boys sind ein Verein für alle.» Selbstverständlich ist eine solche Haltung bei Sportvereinen (noch) nicht.

Blick hinter die Kulissen

Neben «Mario» dürfte in Solothurn auch der Dokumentarfilm «Die Vierte Gewalt» für Gesprächsstoff sorgen. Regisseur Dieter Fahrer erkundet darin den Alltag von verschiedenen Zeitungsredaktionen («Der Bund», «Watson. ch», «Echo der Zeit», «Die Republik») und beleuchtet damit die aktuelle Krise des Journalismus. Was Fahrer fand, verspricht einen einmaligen Einblick hinter die Kulissen des heutigen Medien-business.

53. Solothurner Filmtage: 25. Januar bis 1. Februar 2018. Infos und Tickets: www.solothurnerfilmtage.ch.

zas

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