Zum Hauptinhalt springen

Vom Vampir zu Mr. Unberechenbar

«Twilight»-Star Robert Pattinson hetzt im Gangsterfilm «Good Time» mit blondierten Haaren durch New York. Im ­Gespräch verrät der 31-jährige Brite, warum er nie einen Superhelden spielen wird, wie wichtig ihm sein Aussehen ist und was das mit Miss Piggy zu tun hat.

Robert Pattinson hat die Haare schön und lacht. Nicht einmal, nicht zweimal, nein, er lacht mehr oder weniger die ganze Viertelstunde durch, die uns beim Gesprächstermin in Cannes zugestanden wird. Das ist aus zwei Gründen erstaunlich, denn erstens war der britische Schauspieler bei unserem letzten Treffen (zum Endzeitdrama «The ­Rover», 2014) gar nicht zu Scherzen aufgelegt, sondern murmelte bloss Unzusammenhängendes in seinen Dreitagebart.

Und zweitens ist sein aktueller Film «Good Time» meilenweit davon entfernt, so launig oder doppelbödig daherzukommen, dass man sich darüber lustig machen könnte. Es sei denn, man habe ein Flair für nachtschwarzen Humor.

Der Star – ein Müssiggänger?

Doch wer weiss, vielleicht besitzt Pattinson, der dank der «Twilight»-Serie zum weltweit umkreischten Posterboy wurde, ein Flair für Abgründiges? Oder aber es kümmert ihn nicht die Bohne, was man von ihm hält. Zum Beispiel, wenn er Dinge sagt wie: «Die meiste Zeit sitze ich ja bloss rum und tue gar nichts.» Mister Filmstar als Müssiggänger? So, so. Sollte es sich dabei um Selbstironie handeln, wäre es immerhin bemerkenswert, da Stars in der Regel nicht zu derart radikalem Understatement neigen.

Zu «Twilight»-Zeiten war das freilich noch anders. Damals bekam Pattinson strikte Anweisungen, wie er sich verhalten und was er sagen sollte, auch und gerade, als just vor der Promotionoffensive zur letzten Vampirfolge auskam, dass ihn seine damalige Freundin und Leinwandpartnerin Kristen Stewart betrogen hatte.

So gesehen hat sich Pattinson inzwischen privat wie beruflich durchaus neue Freiheiten erarbeitet. «‹Twilight› war eine grosse Kiste, und ich mochte das auch», sagt er heute. «Aber irgendwann muss man eine solche Phase auch wieder abschütteln.»

«Ich suche Unberechenbares»

Pattinson schüttelte die Phase ab, indem er die Seiten wechselte, dem Mainstream den Rücken kehrte und mit Autorenfilmern wie David Cronenberg («Maps to the Stars»), Werner Herzog («Queen of the Desert») und Anton Corbijn («Life») drehte. «Ich suche das Unberechenbare», sagt der 31-Jährige, «und ehrlich gesagt: Es ist ewig her, dass ich im Kino einen Mainstreamfilm gesehen habe, geschweige denn einen von diesen Superheldenfilmen, was ja inzwischen auf dasselbe rausläuft.» Pause. «Wobei ich diese Art von Filmen eigentlich noch mag.»

Salto vorwärts, Salto rückwärts. Das ist typisch Pattinson, es macht ihn zu Mr. Unberechenbar, Strubbelfrisur inklusive. Hat er denn auch Angebote für Superheldenfilme bekommen? «Ja. Aber das Problem ist: Ich bin einfach nicht selbstsicher genug, um in einem Film die Welt zu retten. Ich neige eher zum Gegenteil.» Abermals Gelächter.

«Was ich heute im Kino sehe, sind ja vor ­allem Schauspiellektionen, die vom Glauben an sich selbst handeln. Und dann gibt es noch mich mit meinen Sorgen und Ängsten. Haha, was bin ich doch für ein verdammter Idiot!»

Hirnrissige Projekte

Understatement auf Maximalstufe? Gut, vielleicht ist da was dran, denn «Good Time» handelt durchaus von Sorgen und Ängsten, wenn Pattinson als Ganove mit schlecht blondierten Haaren durch die Gegend rennt, hirnrissige Projekte verfolgt und alles in den Sand setzt.

«Das Wichtigste an einem Film ist, dass man eine Rolle glaubhaft verkörpert», sagt der Brite. «Denn glauben muss es ja das Publikum. Diese Herausforderung konnte ich im Fall von ‹Good Time› mit meinem Naturell problemlos vereinbaren.»

Auch die schlechte Frisur? «Bei Äusserlichkeiten gibt es nur ein Rezept: Man muss die eigene Eitelkeit so schnell wie möglich vergessen. Wenn man ständig mit seinem Aussehen beschäftigt ist, klappt das nicht. Ein Beispiel: Mit meinen Haaren hatten wir in «Good Time» lange experimentiert. Wir versuchten es zuerst mit einer lockigen Frisur, aber da sah ich aus wie Miss Piggy aus der «Muppets-Show». Dann kamen wir irgendwann auf blond, und... es funktionierte.» Abermals ein herzhaftes Lachen. Dann ist die Viertelstunde mit Pattinson um, und der gut frisierte Mann, der mal Vampir war, ist weg wie der Blitz.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch