Tränen und Standing Ovations für Oprahs Kampfrede

Sie stahl den Hollywoodstars die Show: Oprah Winfreys Golden-Globe-Ansprache gegen sexuelle Belästigung.

Bewegender Moment: Oprah Winfreys Rede an der Golden-Globe-Verleihung. (Video: Tamedia mit Material der AFP)

Neun Minuten lang zog sie das Publikum an der Golden-Globe-Verleihung in Los Angeles in ihren Bann, rührte die Schauspieler im Saal zu Tränen und erntete Standing Ovations: US-Talkmasterin Oprah Winfrey hielt im Namen der #MeToo-Bewegung eine kämpferische Ansprache. Die schönsten Zitate im Überblick.

«Eine Zeit, in der niemand mehr ‹me too› sagen muss.»

«Ein neuer Tag zeichnet sich am Horizont ab! Wenn dieser neue Tag endlich anbricht, wird er es dank all dieser grossartigen Frauen tun – viele von ihnen sitzen heute Abend hier in diesem Raum – und dank einiger fabelhafter Männer, die dafür kämpfen, uns in eine Zeit zu führen, in der niemand mehr ‹me too› sagen muss», sagte die 63-Jährige, die an der Verleihung im Beverly Hilton Hotel einen Preis für ihr Lebenswerk erhielt – als erste schwarze Frau.

«Die Zeit der mächtigen Männer ist abgelaufen!»

«Zu lange wurden Frauen nicht angehört und nicht ernst genommen, wenn sie es wagten, gegen mächtige Männer aufzubegehren. Aber deren Zeit ist abgelaufen.» Winfrey erinnerte an den Kampf der Schauspielerinnen, die sich gegen sexuelle Belästigung im Filmbusiness wehren und mittels dem Hashtag #MeToo ihre Geschichten öffentlich machen.

Deutliches Zeichen gegen Übergriffe

«Ich bin besonders stolz und inspiriert von all den Frauen, die stark genug waren, um sich zu äussern und ihre persönlichen Geschichten zu teilen.» Winfrey trug ein schwarzes Kleid – so wie die meisten anderen Stars, um ein deutliches Zeichen gegen sexuelle Übergriffe in der US-Unterhaltungsindustrie zu setzen.

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Ausgelöst worden war die Welle der Enthüllungen und Vorwürfe Anfang Oktober durch den Skandal um den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein, der daraufhin von seiner eigenen Produktionsfirma entlassen wurde. Weinstein soll über Jahrzehnte hinweg dutzende Frauen sexuell belästigt und attackiert haben, darunter prominente Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Ashley Judd und Gwyneth Paltrow.

«Die Frauen, deren Namen wir nie kennen werden.»

Winfrey zollte in ihrer Rede auch allen Respekt, die nicht in der Öffentlichkeit stehen und erinnerte daran, dass #MeToo nicht nur die Unterhaltungsindustrie betrifft: «Ich möchte heute Abend allen Frauen Anerkennung geben, die jahrelang Missbrauch und Angriffe aushalten mussten, weil sie – wie meine Mutter – Kinder zu ernähren und Rechnungen zu zahlen hatten und ihren Träumen folgten. Sie sind die Frauen, deren Namen wir nie kennen werden. Sie sind Hausfrauen, sie arbeiten in Fabriken oder in Restaurants, in der Bildung und Technik und in der Politik und Wirtschaft.»

Fonds für Rechtshilfe

Vor einer Woche hatten mehrere US-Schauspielerinnen die «Time’s Up»-Initiative ins Leben gerufen. Sie soll Frauen auch über die Entertainment-Branche hinaus unterstützen – von Hausmeisterinnen bis zu Frauen, die im Gesundheitsbereich arbeiten. Die Organisation, die mit der #MeToo-Bewegung verzahnt ist, soll einen Fonds für Rechtshilfe erhalten und setzt sich für das Vorantreiben von Gesetzen gegen sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz ein.

«Ich schätze die Medien mehr denn je.»

Die milliardenschwere Unternehmerin brach auch eine Lanze für die Pressefreiheit. «Ich schätze die Medien in diesen komplizierten Zeiten mehr denn je. Wenn ich etwas sicher weiss, dann ist es, dass die Wahrheit zu sagen, das mächtigste Werkzeug ist, das wir haben.»

Die ganze neunminütige Rede von Oprah Winfrey. (Video: AP)

Winfrey erinnerte sich in ihrer Rede auch daran, wie sie in den 1960er-Jahren als kleines Mädchen den Oscar-Sieg des schwarzen Regisseurs und Schauspielers Sidney Poitier am Fernsehen verfolgte. Sie habe nie zuvor gesehen, dass ein schwarzer Mann so gefeiert worden wäre. Winfrey engagiert sich seit Jahren für die Rechte schwarzer Bürger in den USA. Poitier habe später den gleichen Preis erhalten, wie sie jetzt. «Auch heute gibt es kleine Mädchen, die erleben, dass ich als erste schwarze Frau denselben Preis bekomme», sagte Winfrey.

«Ausschliesslich männliche» Nominierte in Prestige-Kategorie

Auch Natalie Portman nutzte die öffentliche Plattform der Golden Globes, um Missstände anzuprangern, die in der Filmindustrie zwischen den Geschlechtern herrschen. So waren sämtliche Nominierten der Kategorie «Beste Regie» Männer, trotz erfolgreicher Filme von weiblichen Regisseurinnen wie «Wonder Woman» (Patty Jenkins), «Lady Bird» (Greta Gerwig) oder «Die Verführten» (Sofia Coppola). Als Portman die Verkündung der Nominierten in der Prestige-Kategorie anmoderierte, holte sie mit nur zwei Wörtern zum Seitenhieb aus: Anstatt «hier sind die Nominierten», sagte sie: «Hier sind die ausschliesslich männlichen Nominierten.»

ij/afp/sda

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