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Tarantino fuchtelt mit

An der WM wird wild gestikuliert. Das erinnert uns doch an etwas.

Hand geht zum Headset, es kommt unter Umständen zum Videobeweis.
Hand geht zum Headset, es kommt unter Umständen zum Videobeweis.
Keystone

Läuft nichts, wieso läuft nichts, geht die Hand zum Headset? Geht zum Headset, der Schiedsrichter bleibt stehen, er empfängt die Schaltung aus Moskau. Hebt die Brust, zeichnet mit den Zeigefingern ein Rechteck in die Luft. Videobeweis. Irgendwelche Fifa-Mitarbeiter überprüfen jetzt per Wiederholungstaste und Superzeitlupe, ob es wirklich Abseits war, ob es nicht doch eine Rote Karte hätte geben müssen. Man sieht ihr Büro per Webcam. Recht eng dort.

Die Stadionzuschauer erfahren über Displays, dass nun die Fernüberprüfung folgt. Auf dem Platz signalisiert der Schiedsrichter per Bildschirm-Handgeste, dass die Leute vom Team VAR (Video Assistant Referee) in der Moskauer Zentrale die Ermittlungen aufnehmen. Kasten in der Luft, alle müssen warten. Trainer zeigen es gegenüber ihren Assistenten an, Spieler informieren sich gegenseitig, indem sie voreinander geometrisch gestikulieren.

Das offizielle Signal für Videobeweis. Quelle: Live Production.
Das offizielle Signal für Videobeweis. Quelle: Live Production.

Der imaginäre Bildkasten ist das offizielle Handsignal der Fifa-Schiedsrichter an der WM, wo die Videobeweistechnik erstmals zum Einsatz kommt. Hand ans Ohr reicht nicht: Der Schiedsrichter kann so anzeigen, dass er das Weiterspielen verzögert, weil er mit der Zentrale redet. Erlaubt ist ihm auch, auf die Bildüberprüfung zu verzichten und weiterspielen zu lassen. Will er den Beweis, macht er den Kasten.

Der Schiedsrichter kann die Aufnahmen auch selbst auf einem Bildschirm am Spielfeldrand überprüfen. Beim Gruppenspiel Spanien - Marokko vom Montag klärten die Videodetektive aber auch so, dass Spanien-Stürmer Iago Aspas beim Treffer zum 2:2 ganz knapp nicht im Offside stand. Der Schiedsrichter-Assistent auf dem Platz hatte zuvor anders entschieden. Marokko freute das gar nicht.

Nordin Amrabat von Marokko ärgert sich über den Videobeweis.

Das Videobeweis-Handsignal hat seine Ursprünge, wie so vieles, in «Pulp Fiction» von Quentin Tarantino. Uma Thurman gibt dort als Mia Wallace gegenüber ihrem Begleiter Vince zu verstehen, er könne in einem Lokal wie dem Jackrabbit Slim's, wo man in halbierten Oldtimern sitzt, sicher kein Steak bestellen. «You can't get a steak here, Daddy-O. Don't be a square», sagt sie, wobei sie «square», «Quadrat», mit den Fingern in die Luft zeichnet, was im Film mit einer punktierten Linie nachanimiert wird. «Square» ist das englische Wort für Spiesser oder für einen pedantischen Langweiler. Mit anderen Worten: für einen Spielverderber.

«Don't be a square»: Ausschnitt aus «Pulp Fiction». Quelle: Giphy.

Wer im Übrigen die Wandaufschrift im «VAR room» der Fifa mehrfach als «WAR room» fehlinterpretiert hat, muss sich nicht grämen: In der gleichnamigen Pentagon-Kommandozentrale aus Stanley Kubricks «Dr. Strangelove» gehts ja auch immer wieder um die Standleitung nach Moskau. Und über den Untergang entschieden wird hier wie dort.

Gentleman, you can't fight in here. This is the VAR room! Quelle: Keystone.
Gentleman, you can't fight in here. This is the VAR room! Quelle: Keystone.

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