Sieben laute Göttinnen und ein Geheimnis

Erfrischend fern von Bollywood: Regisseur Pan Nalin beflügelt mit seinem Film «7 Angry Indian Goddesses» die Fantasien Millionen junger Inderinnen. Aber leider will er manchmal zu viel.

Schreie nach Lust und Liebe: Darstellerinnen-Ensemble im Film «7 Angry Indian Goddesses».

Schreie nach Lust und Liebe: Darstellerinnen-Ensemble im Film «7 Angry Indian Goddesses». Bild: zvg

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Als Sally in «When Harry Met Sally» in einem Restaurant einen Orgasmus vortäuschte, ging das in die Filmgeschichte ein. 27 Jahre später finden sich in «7 Angry Indian Goddesses» sieben junge Freundinnen in Goa zusammen, sie pfeifen dem autowaschenden, halb nackten Beau nach, sie tanzen, giessen sich Shots hinter die Binde, reden über Sex und – auch sie: spielen nach, wie das tut und tönt beim Orgasmus.

Ein Befreiungsschlag

Die Szene wird nicht in die Filmgeschichte eingehen, aber für Indien ist das ein guter Moment. Die indische Frau, sagt Regisseur Pan Nalin («Samsara»), ist gefangen zwischen Tradition und Moderne.

Umso lauter ertönt dieser cineastische Befreiungsschlag. Während Frauen in Bollywood-Grossproduktionen gewöhnlich nur der Dekoration des Filmhelden dienen, kreiert dieses Stück Independent-Kino gleich sieben Heldinnen, erzürnte indische Göttinnen eben.

Aus jedem Ensemble sticht eine Figur heraus, hier ist es Freida (Sarah-Jane Dias, Miss India 2007). Freida heiratet und lädt ihre Jugendfreundinnen ein, Abschied zu nehmen vom Junggesellinnenleben, eine Woche lang. Wen sie heiratet, bleibt lange das Geheimnis, das die Geschichte antreibt. Und als es gelüftet wird, geht diese erst richtig los.

«7 Angry Indian Goddesses» sei das erste weibliche Buddy-Movie aus Indien, sagen die Macher, und das mag stimmen. Der Film, da und dort am Rande der Karikatur, feiert nicht nur die Frau, sondern ebenso die Frauenfreundschaft. Es wird viel gelacht und viel geweint; die Freundschaft als Hort von Herzlichkeit und Heiterkeit – zumindest bis eine Waffe im Haus auftaucht.

Die Freundschaft aber auch als Katalysator des Aufbruchs. So ist es mehr als ein gendergerechter Rollentausch, der hier stattfindet. Regisseur Nalin gibt sich viel Mühe, vielleicht zu viel, die Zuschauer über die heiklen Zustände in seinem Land zu unterrichten. Dann sitzen die Frauen zusammen am Tisch und erzählen sich, wie in Indien alle drei Minuten eine Frau Opfer sexueller Gewalt wird. Wie Frauen in diesem Land als ästhetische Objekte verehrt und gleichzeitig wie Dreck behandelt werden.

Diese Form der Kontextualisierung funktioniert rein technisch, gut tut sie dem Film nicht. Dabei beweist der in Paris wohnhafte Inder spätestens mit der Schlusssequenz, wie ungleich eleganter und origineller er im Verkünden von Botschaften sein könnte.

Schrei nach Lust und Liebe

Im Grossen und Ganzen taucht man gerne ab in diese kurzweilig inszenierte Welt eines indischen Schreis nach Lust und Liebe, angetrieben von Frauen, die die Opferrolle satthaben und am Ende doch wieder in genau diese geraten. An den Filmfestivals von Rom und Toronto wurden Nalin und die sieben Göttinnen mit Publikumspreisen honoriert. Bestimmt haben sie gelacht und geweint.

«7 Angry Indian Goddesses»: Der Film läuft im Kino. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.06.2016, 14:55 Uhr

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