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Sie spielt die Manikerin, die so viele nervt

Ende Woche beginnt die letzte Staffel von «Homeland», der Agentenserie. Ihre Hauptfigur bleibt kontrovers bis zuletzt.

Claire Danes spielt Carrie Mathison in der Serie «Homeland». Foto: Taylor Jewell/Invision/AP
Claire Danes spielt Carrie Mathison in der Serie «Homeland». Foto: Taylor Jewell/Invision/AP

Sie hetzt durch Washington, fliegt nach Beirut und Kabul, rast von Berlin nach Amsterdam und wieder zurück. Sie wird mehrmals gefangen genommen, mit Drogen vollgespritzt, an unbekannte Orte verschleppt. Sie wird verletzt, kommt fast zu Tode. Sie verrät und wird verraten, wird entlassen und wieder zur CIA zurückgeholt, jener Geheimdienstorganisation, deren gefährlichste Feindin diese selber ist.

Das zumindest gibt uns «Homeland» zu spüren, das amerikanische Remake einer israelischen Serie. Am Sonntag beginnt in den USA die erste Folge der achten und letzten Staffel. Mit der New Yorker Schauspielerin Claire Danes in der Hauptrolle als Carrie Mathison, der hochintelligenten und hochgestörten Agentin. Und obwohl Mathison von einer katastrophalen Situation in die nächste taumelt, ist ihr erspart geblieben, was der Schauspielerin jahrelang widerfuhr: Spott und Hohn, Hasskommentare, Entlassungsforderungen.

Denn Danes’ Hauptfigur leidet an einer schweren bipolaren Störung, früher nannte man das manisch-depressiv. Carrie Mathison redet entweder maschinengewehrschnell. Oder sie sitzt, von Weinkrämpfen geschüttelt, auf dem Bett einer psychiatrischen Klinik. Sie ist selbstbesessen, fast unfähig zur Empathie, suchtgefährdet, oszillierend zwischen Paranoia und Grössenwahn.

Emanzipation des Ausdrucks

Beide Extreme ihrer Figur sind in den USA schon zahllose Male parodiert worden, und natürlich kam auch der feministische Vorwurf auf, dieses Übermass an Gefühlen sei sexistisch, weil hier wieder einmal eine Frau aufs Irrationale reduziert werde. Der Schauspielerin Robin Wright hatte man bei «House of Cards» das Gegenteil vorgeworfen, dass diese die US-Präsidentin mit rücksichtsloser Kälte spiele. Was schon beweist, dass es Frauen nie allen recht machen können, nicht einmal den Frauen.

Denn im Grunde feiern Schauspielerinnen wie Claire Danes, Robin Penn, die schwedische Darstellerin Sofia Helin («Die Brücke») und andere Darstellerinnen in Polit- und Krimiserien der letzten Jahre bloss die überfällige Befreiung aus jenen Rollen, in denen sie zu Attributen der Männer inszeniert wurden.

Dass auch Frauen kalt, manisch, depressiv oder psychopathisch auftreten, lässt sich als eine Emanzipation des Ausdrucks werten. Die schon früh zum Diabolischen neigende Glenn Close hatte mit der Anwaltsserie «Damages» vorgemacht, mit welcher unverhohlenen Freude sie eine kalte Karrieristin spielte, nachdem sie in «Fatal Attraction» noch zur Parodie einer Psychopathin entwertet worden war. Erst wenn man eine Figur gerade deshalb mag, weil sie so ausfällig, unzuverlässig und rücksichtslos auftritt, erst dann gibt ein Drehbuch einer Schauspielerin die Möglichkeit, ihr Talent auszuspielen.

Man kann «Homeland» eine Menge vorwerfen: schrille Handlungssprünge, islamophobische Verallgemeinerungen, Dramatisierungen ohne Not und einen durchamerikanisierten Blick auf die Welt. Aber die Plots und Wendungen lassen den Puls rasen, das Ensemble spielt hervorragend. Und vor allem lieben wir Claire Danes als Carrie Mathison. Nicht trotz ihren Extremen. Sondern wegen ihnen.

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