«Nehmen wir Frauen nur ernst, wenn sie keine Haut zeigen?»

Schwarze Kleider, weisse Rosen – #MeToo ist auf dem roten Teppich angekommen. Dazu eine Designerin, die die Macht der Mode kennt.

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Die Oscars stehen an. Werden Stars Ihre Mode tragen?
Keine Ahnung. Ich erfahre das meist erst nach den Anlässen, etwa wenn ich auf Instagram getaggt werden. Manchmal informiert uns das Management im Voraus, dass ein Star etwas mit unseren Modestücken plant. So wars bei Taylor Swift. Sie trug dann tatsächlich in ihrem Comeback-Clip Schmuck von uns. «Look what you made me do», meistgeschautes Video ever auf Youtube. Aber diesmal: keine Ahnung.

Mit Zürcher Schmuck: Superstar Swift.

Stars liefen an den Golden Globes in schwarzen Roben über den Teppich, an den Brit Awards trugen sie Rosen mit sich. Es ging darum, für #MeToo zu sensibilisieren. Wie beurteilen Sie solche Aktionen?
Ich finds toll. Die Macht der Mode ist gross, ihre bewusste, aber auch ihre unbewusste Wirkung wird unterschätzt. Dabei wird unsere Gesellschaft von Bildern dominiert. Man könnte die Frauen auf dem roten Teppich ja auch nach ihren politischen Meinungen zu diesem oder jenem Thema fragen. Nur: Das passiert nie. Die erste Frage ist stattdessen: «Was ist das für ein Kleid?» An den Golden Globes mussten die Journalisten über #MeToo schreiben, sie konnten gar nicht anders. Das Thema war einfach zu offensichtlich, die Kleider zwangen zur Diskussion. Ausserdem war Schwarz eine wirklich geniale Farbwahl.

Weshalb?
Wer Schwarz trägt, strahlt Macht aus. Schwarz ist aber auch die Farbe der Trauer, des Rückzugs, der Nachdenklichkeit. Es sind diese Facetten, die die #MeToo-Debatte ausmachen. Auch wichtig: Die Aktion war kompatibel mit dem Anlass und wirkte dennoch als starkes Signal. Die rosa Mütze, der Pussy Hat, ist ästhetisch schwieriger. Den hätten sie wohl nicht getragen. (lacht)

Sollte es an den Oscars eine Wiederholung der Aktion geben?
Warum nicht? Nötig ist sie jedenfalls noch immer.

Könnten die feministischen Aktionen in irgendeiner Form durchschlagen auf die Massenmode, die in den Läden verkauft wird?
Nicht könnte. Sie schlagen mit Sicherheit durch. Die Feministinnen-T-Shirts – «We all should be feminists» – wurden erst auch nur von Dior-Models getragen. Heute kann man sie in jedem Warenhaus kaufen. Wenn eine Bewegung von so prominenten Künstlerinnen und so prominenten Labels getragen wird, wie das momentan bei #MeToo der Fall ist, dann überträgt sich ihre Mode auf jene der Durchschnittsfrau. So wirds auch diesmal sein.

#Nobodysdoll – «nicht die Puppe von irgendwem» – heisst eine Initiative deutscher Schauspielerinnen, die Frauen ermuntern will, auch mal gewöhnlich gekleidet und ungeschminkt aufzutreten. Wem oder was mussten sich Frauen bisher anpassen?
Frauen können bereits heute tragen, was sie wollen. Vielleicht hatte bisher aber nicht jede Frau den Mut dazu. Insofern sind solche Initiativen als Mutmacher zu unterstützen, immer. Frauen müssen alles dürfen, und sie sollen sich niemandem anpassen müssen. Sexy sein, oder zugeknöpft, oder Hosenanzug tragen, das ist alles wunderbar. Dass die Frau sich wirklich wohlfühlt, ist letztlich das Einzige, was zählt.

Erleben wir mit den schwarzen Roben eine neue Zugeknöpftheit? Werden offensive Auftritte wie jener der Rapperin Dianna de Brito an den Brit Awards seltener?
Ich wüsste nicht, warum. Die Botschaft der Golden Globes war nicht, dass man nur noch schwarz oder zugeknöpft herumlaufen soll. Aber es gibt tatsächlich viele Leute, die das gerne so hätten. Wir müssen uns fragen: Nehmen wir Frauen nur ernst, wenn sie keine Haut zeigen? Das kann nicht sein. Die Rapperin, die an den Brit Awards mit ihrem transparentem Oberteil für Aufregung sorgte, muss genauso ernst genommen und angehört werden, wie wenn sie einen Hosenanzug tragen würde. Ihre politischen Vorstellungen sind nicht dümmer, weil sie sich anders kleidet. Übrigens reden jetzt viele wie wir gerade über die Rapperin, ihr durchsichtiges Kleid, die Brit Awards – damit auch über #MeToo. Eventuell ist die Frau ja klüger als wir.

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