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Mulholland Drive? Das war einmal

David Lynch bringt ein bizarres Musikalbum heraus. Und der Meisterregisseur hat weitere Projekte am Start - bloss keinen Film.

Berühmt wurde der mittlerweile 65-jährige Lynch für Filme wie «The Elephant Man», «Mulholland Drive» oder «Lost Highway» und für die Serie «Twin Peaks». In den letzten Jahren allerdings beschäftigte er sich allein mit esoterischen Nebenprojekten.
Berühmt wurde der mittlerweile 65-jährige Lynch für Filme wie «The Elephant Man», «Mulholland Drive» oder «Lost Highway» und für die Serie «Twin Peaks». In den letzten Jahren allerdings beschäftigte er sich allein mit esoterischen Nebenprojekten.
Keystone
David Lynch wolle keine Filme mehr machen, sagt Lynchs Berufskollege Abel Ferrara («Bad Lieutenant»).
David Lynch wolle keine Filme mehr machen, sagt Lynchs Berufskollege Abel Ferrara («Bad Lieutenant»).
Keystone
Die «David Lynch Foundation For Consciousness-Based Education and World Peace» ist ein weiteres eigentümliches Nebenprojekt von David Lynch.
Die «David Lynch Foundation For Consciousness-Based Education and World Peace» ist ein weiteres eigentümliches Nebenprojekt von David Lynch.
Davidlynchfoundation.org
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David Lynch ist einer der bekanntesten Filmemacher der Welt. Zu seinen Werken gehören Klassiker wie «Eraserhead», «The Elephantman», «Blue Velvet», «Wild at Heart», «Lost Highway», «Straight Story», «Mulholland Drive» und die legendäre TV-Serie «Twin Peaks». Momentan arbeitet die lebende Kino-Legende an – ja, an was?

Seit über fünf Jahren hat Lynch keinen neuen Film mehr gedreht. «Inland Empire» hiess sein letzter Film, der sich selber nicht besonders ernst zu nehmen schien. Das Einzige, was «Inland Empire» mit herkömmlicher Kinoware verband, war, dass er einen Anfang und ein Ende hatte. Dazwischen Rätselkunst für Fortgeschrittene. Und rätselhaft ist auch Lynchs Alternativkarriere als Musiker. Vor ein paar Monaten machte er mit ein paar mittelmässigen Elektrotracks auf sich aufmerksam, die auf iTunes erhältlich sind. Es war das unüberzeugendste Dancemusic-Debüt seit Tom Jones mit dem deutschen DJ Mousse T. «Sex Bomb» herausgab.

Lynchs Musikalbum

Nun hat Lynch sein erstes Album angekündigt. «Crazy Clown Time», das im November erscheint, soll die Lust am Experiment mit Klang und Musik zeigen, sagte Lynch dem «Hollywood Reporter». Melodien wird man auf dem Album also vergeblich suchen. Der Plattenfirma zufolge ist das Album voller «angsteinflössender Geräusche und dunkler Texte».

Was uns noch mehr Angst einjagt, ist allerdings etwas anderes: Dass David Lynch keine Filme mehr drehen mag. Darauf weisen nicht nur seine Interviews hin, in denen er nur höchst widerwillig über Filme spricht. Auch sein Berufskollege Abel Ferrara hat nun entsprechende Gerüchte bestätigt. «David Lynch will nicht einmal mehr Filme machen», so der US-Regisseur. «Ich habe mit ihm darüber gesprochen.»

Vielleicht hat sich Lynch, der dieses Jahr 65 wurde, selber frühpensioniert? Vielleicht hat er auch keinen weiteren Film mehr in sich und macht statt eines schlechten Films lieber gar keinen. Auf dass er nicht wie John Carpenter oder James Cameron endet. Auf Lynchs Website jedenfalls ist ausschliesslich Musik zu finden – von Filmclips keine Spur. Das heisst etwas, denn der selbsterklärte Internetfanatiker behauptet, fast vierundzwanzig Stunden täglich an seiner Homepage zu basteln. Und dort ist wie gesagt Musik angesagt. Auch die Projektauswahl ist musikorientiert und deutet auf alles andere als auf einen weiteren cineastischen Hit à la «Mulholland Drive» oder «Lost Highway» hin.

Eigener Kaffee

Lynch, so scheint es, ist mit allem ausser Filmen beschäftigt. So kümmert er sich neben seiner Musikkarriere um den Verkauf seines eigenen Kaffees. Oder bastelt an einem Konzert-Webcast der Band Duran Duran. Und natürlich meditiert er täglich seit er vor über 30 Jahren der «Transzendentalen Meditation» verfallen ist. Vor drei Jahren hat er sogar eine Stiftung gegründet: die «David Lynch Foundation For Consciousness-Based Education and World Peace». Mit der soll es jedem amerikanischen Kind möglich sein, die Transzendentale Meditation zu erlernen und so zur ewigen Glückseligkeit zu gelangen. Sigmund Freud schrieb, das Unheimliche wohne nicht in der Fremde, sondern im Vertrauten. Das weiss auch Lynch - wie kaum ein anderer Regisseur untersucht er in seinen Filmen persönliche Abgründe. Dass er dies auch auf esoterischen Weg tut, sehen wir ihm nach - unter einer Bedingung: David, drehen Sie bald wieder einen Film!

Hat David Lynch ausgefilmt? Wie gefielen Ihnen seine letzten Werke? Meinungen bitte unten eintragen.

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