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Mein Vater, der tobende Berserker

Erstmals nach ihrer Buchveröffentlichung hat sich Pola Kinski jetzt vor die Fernsehkameras getraut – und legt mit Missbrauchsvorwürfen gegen ihren berühmten Vater nach.

Im Mittelpunkt der Kontroverse: Pola und Klaus Kinski.
Im Mittelpunkt der Kontroverse: Pola und Klaus Kinski.
Keystone

Sie hat über Jahrzehnte geschwiegen. Nun füllen Pola Kinskis Vorwürfe gegen ihren Vater die Titelseiten. Sie werfen ein grausiges Bild auf Klaus Kinski, den zum Genie erklärten und als Verrückten in Erinnerung gebliebenen Schauspieler.

In der ARD-Sendung «Beckmann», die Donnerstag um 22.45 Uhr ausgestrahlt werden sollte, sagt die heute 60-Jährige: «Wenn ich ihn als wütenden, tobenden Berserker in einem Film gesehen habe, dann habe ich ihn nicht als Schauspieler empfunden - denn so haben wir ihn zu Hause erlebt. Und zwar eins zu eins erlebt.» Dass sie nun, mehr als 21 Jahre nach dem Tod von Klaus Kinski, über den Missbrauch spricht, sei für sie eine «Befreiung».

Pola Kinski hatte die Augen der Öffentlichkeit mit einem Buch auf die mutmasslichen Taten gelenkt. Im jüngst veröffentlichten Werk «Kindermund» schreibt sie, ihr Vater habe sie ab ihrem fünften Lebensjahr missbraucht. 14 Jahre soll das Martyrium gedauert haben. Parallel dazu stand ihr Vater auf den Theaterbühnen. Für Produktionen wie den Horrorfilm «Nosferatu» von Werner Herzog wurde er gefeiert. 1975, als Polas mutmassliches Martyrium vorbei gewesen sein soll, legte er die Autobiografie mit dem bis heute oft zitierten Titel «Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund» vor.

Gegen die posthume Verehrung

Warum spricht Pola Kinski gerade jetzt über die so lang vergangene Zeit? Sie tue dies auch wegen der Verklärung ihres Vaters, verriet sie Reinhold Beckmann. «Sein Glorienschein wurde immer grösser. Jedes Jahr noch ein Buch, noch ein Bildband, noch ein Gedichtband - nach seinem Tod mutierte er langsam zum zarten, hochsensiblen Künstler. Und dann hat es mir gereicht.»

Irgendwann habe sie es einfach nicht mehr ausgehalten, erzählte die Schauspielerin, die eine Halbschwester von Nastassja und Nikolai Kinski ist. Von ihnen erhielt Pola Kinski zuletzt Unterstützung. Nikolai schrieb, er habe nun endlich und viel zu spät vom Schicksal der Halbschwester erfahren. Nun schäme er sich für seinen Vater.

Nastassja deutete ebenfalls schlechte Erinnerungen an: Der Vater habe sie nicht vergewaltigt, sie aber oft «ganz eng an sich gedrückt, sodass ich dachte, ich könnte nicht herauskommen». An Pola gerichtet sagte sie der «Bild«-Zeitung: «Ich habe ihre Worte gelesen. Und ich habe viel geweint.»

Mutter will nichts gewusst haben

Auch Polas Mutter Gislint B. meldete sich nun in der aktuellen Ausgabe von «Bunte» zu Wort - und sagt, dass sie nichts wusste. Pola habe bis zuletzt nichts über den Missbrauch erzählt. Nie im Leben wäre sie auf die Idee gekommen, «dass Klaus dem Kind so etwas antun würde».

Pola berichtet dagegen in ihrem Buch, dass ihre Mutter keineswegs überrascht reagiert habe, als sie im Alter von 19 Jahren von dem jahrelangen Missbrauch erzählt habe. Was damals wirklich vorfiel, wird wohl nie bekannt werden. Auch wenn sie jetzt offen spricht - Pola Kinski fühlt sich nicht erleichtert: «Ich sage immer, ich habe lebenslänglich.»

SDA

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