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Mein föhnfrisierter Namensvetter

In unserer Serie «Lässige Sünden» beichten Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Journalisten heimliche Vorlieben. Heute: «The Saint».

«Ich will mehr», sagt der Regisseur. Und seine Schreiber geben ihm mehr: einen bösen machthungrigen Oligarchen; arme, frierende Russen. Eine hübsche blonde Wissenschaftlerin; deren Herz zwar einen Fehler hat, aber am rechten Fleck sitzt. Russische Schläger; mit Narben im Gesicht. Einen Gentleman-Dieb; der seiner ersten Liebe nachtrauert; und sich verkleidet. Val Kilmer, Romantik, einen sportlichen Volvo und – kalte Fusion.

Nun ist der Regisseur zufrieden.

Als Phillip Noyces «The Saint» 1997 in den Kinos läuft, heulen die Kritiker reihenweise auf: zu überfrachtet!

Ich hingegen sitze an einem Mittwochnachmittag alleine im Cinemax in Zürich und bin entzückt: Hauptfigur Simon Templar lehnt sich als Jugendlicher im katholischen Waisenhaus gegen die tyrannischen Priester auf, muss dann zusehen, wie seine Jugendliebe in den Tod stürzt, wovon er auch als erwachsener Mann noch träumt und traumatisiert niemanden an sich heranlässt. Er rennt von der Vergangenheit davon und versteckt sein wahres Ich hinter Namen von Heiligen und Rollen, auch, weil er nun ein cleverer Meisterdieb ist, der einer Wissenschaftlerin eine Formel stehlen soll, worauf just jene Wissenschaftlerin als einzige an ihn herankommt und die beiden am Schluss ein Paar werden und er nur ihr seinen richtigen Namen verrät. Ich.Liebte.Diesen.Film!

Denn ich, der scheue Teenager, hatte endlich ein Vorbild: den melancholischen und mysteriösen Simon Templar. Dass ich mich nicht getraute, Mädchen anzusprechen, war jetzt wurst – ich musste nur leidend und geheimnisvoll wirken wie mein neuer Held. Gott, muss ich genervt haben!

Kürzlich habe ich mir «The Saint» wieder angeschaut. Der Film ist kitschiger als der Heiligen-Zierteller aus dem Souvenirshop eines Wallfahrtsorts: Klar doch verschenkt die Wissenschaftlerin ihre Formel zum Wohle der Menschheit. Klar doch verhindert der Protagonist auch noch einen Putsch. Klar doch finden die beiden Pseudoheiligen in einem Cottage in England zusammen.

Überdies bleibt Val Kilmers föhnfrisierte Version von Templar blass. Es fehlt das Charisma von Leslie Charteris’ Romanfigur, es fehlt die Nonchalance von Roger Moores 60er-Ausgabe. Doch ich bin Kitschmensch und werde den Film immer mögen: Einer ist ein Dieb, kämpft aber für Gerechtigkeit und bekommt das Mädchen. Und der heisst Simon. Wie ich. Grossartig!

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