Lieber halb zusammen als ganz getrennt

Frauen sind wie Katzen, Männer wie Hunde. Die neue Staffel «Seitentriebe» auf SRF2 ist gut gestartet.

Schaut blöd aus der Wäsche: Robert wird beim Seitensprung überrascht. Fotos: Samuel Schalch (SRF)

Schaut blöd aus der Wäsche: Robert wird beim Seitensprung überrascht. Fotos: Samuel Schalch (SRF)

Guido Kalberer@tagesanzeiger

Nachdem Elena ihren Freund in flagranti mit einer anderen Frau erwischt hat, geht einiges in die Brüche – bloss die Beziehung nicht. Ihren ultimativen Worten («nie wieder Robert!») folgen keine entsprechenden Taten. Elena bleibt mit ihrem reumütig zerknirschten Partner zusammen, doch künftig nur noch nach ihren Regeln, verkündet sie selbstbewusst auf dem braunen Ledersofa: «Er kriegt vielleicht meinen Körper, aber mein Vertrauen kriegt er nicht.»

In «Seitentriebe», deren zweite Staffel nun gestartet ist, richten sich die Paare, keineswegs nur getrieben von ihren Trieben, mehr schlecht als recht in ihrem Alltag ein. Der Kontrollblick auf die anderen trägt zur Beruhigung bei: Denen gehts auch nicht besser, also mache ich weiter wie bisher. Lieber halb zusammen als ganz getrennt, scheint die Lebensmaxime der drei sympathischen Paare zu lauten.

Im permanenten Zwiespalt mit sich selbst

Während die zur Depression neigende Monika eine Arbeit und keinen Orgasmus will und schon gar keine Lust hat, sich alte Knochen im Sauriermuseum anzusehen, zieht ihr geduldiger, um sie besorgter Heinz Tiervergleiche: «Frauen sind wie Katzen, sie schauen für sich. Männer sind wie Hunde, anhänglich und blöd.»

Die sechs Protagonisten spüren den «Widerspruch im Subjekt», wie ein Buchtitel des Zürcher Psychoanalytikers Paul Parin lautet. Da sie eigentlich anders leben möchten, als sie es tun, sind sie im permanenten Zwiespalt mit sich selbst. Die Autorin und Regisseurin Güzin Kar hat dieses Konfliktpotenzial genutzt und den Figuren lebensnahe Dialoge auf den Leib geschrieben, die deren Situation verständlich und nachvollziehbar machen: Hinter der zur Schau getragenen Leichtigkeit und Beschwingtheit lauert stets die Verzweiflung.

Wohnungsbesichtigung zur Unzeit: Nele findets nicht witzig.

Eigentlich wollte man sich ja scheiden lassen, aber Nele vergisst und verdrängt wiederholt den Scheidungstermin beim Gericht. Als es dann endlich klappt, ist für beide klar: Alles bleibt beim Alten – zumal es keine bezahlbare Wohnung gibt, in die Nele umziehen könnte. Sie geht wieder mit ihrem Mann Gianni ins Bett und kann den in der Fremde lebenden Künstler mit seinen revolutionären Ideen vorübergehend vergessen – auch wenn seine Art, ihr die Austern zu öffnen, sie schwer beeindruckte.

Obwohl nicht alle Dialoge gleich stark sind, bleibt man «Seitentriebe» treu – hierin vergleichbar mit den porträtierten Paaren, die ab und zu einen Seitensprung einplanen, aber Bewährtes nicht missen möchten.

Es darf also munter weitergehen: Anstatt viel weiblicher Nacktheit und explizitem Sex wie in den jetzt gezeigten ersten drei Teilen dürften die verbalen Widerhaken ruhig öfter zum Einsatz kommen. Sie beleben die Figuren – auch und vor allem dann, wenn sie darunter leiden.

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