Kurzfilmtage: Schuljunge ist schuld am Krieg

Kurzfilm

In Winterthur läuft bis zum 11. November das wichtigste Kurzfilmfestival der Schweiz. Bernerzeitung.ch/Newsnetz stellt täglich ein ausgewähltes Werk vor. Teil 1: Der sehnlichste Wunsch eines bosnischen Jungen.

«Kako Sam Zapalio Simona Bolivara» - «The Fuse: Or How I Burned Simon Bolivar» von Igor Drlja?a.

Es ist ein folgenschwerer Tag im März 1992. Ein kleiner Junge aus Sarajevo ist am Boden zerstört. Den Frühling hätte er als Hausaufgabe malen sollen. Doch weil ihm die pinke Farbe für die Blüten ausgegangen war, wurde aus dem Frühling ein Herbst: Aufgabe nicht erfüllt. Er weiss genau, was ihm nun blüht: eine schlechte Note. Panik erfüllt den 9-Jährigen, der sich in seiner Verzweiflung an Gott wendet, obwohl er gar nicht an ihn glaubt (seine Eltern sagen, es gebe keinen Gott). Während der Junge in der Off-Stimme von seinen Sorgen erzählt, sehen wir eine Aufnahme von lachenden Klassenfreunden beim Singen und Tanzen.

Wenige Tage sehen wir keine lachenden Schulkinder mehr im Bild, sondern rote Lichtblitze, die zwischen Wohnblöcken durchzischen. Es ist kein Feuerwerk. Der Krieg ist ausgebrochen in Bosnien-Herzegowina. Wochen später kann der kleine Junge sein Glück kaum fassen: Sein Gebet wurde erhört.

«Kako Sam Zapalio Simona Bolivara», beziehungsweise «The Fuse: Or How I Burned Simon Bolivar» heisst der Kurzfilm über den kleinen bosnischen Jungen. Er kommt mit wenigen, dafür umso beklemmenderen Homevideo-Bildern aus, denn der Krieg ist plötzlich nur ein paar Meter entfernt. Sie sind wackelig, unscharf, zeigen das alltägliche Leben, das plötzlich ganz anders ist. Die Angst des Jungen vor der schlechten Note vermischt sich mit der bedrohlichen Situation, die beinahe seine Familie auseinanderreisst, aber dennoch die Lösung seiner Probleme bedeutet.

«Kako Sam Zapalio Simona Bolivara» wird an den Kurzfilmtagen Winterthur im Programmschwerpunkt «Balkan aktuell» gezeigt und läuft im internationalen Wettbewerb.

dj

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