Kurzfilm der Woche: Monty Python 2.0

Kurzfilm der Woche

Fulvio Bernasconi adaptiert in seinem Film «Goal» eine grandiose Idee: Geistesgrössen treten als Fussballer auf. Im Zentrum steht der philosophische Jubilar des Jahres, Jean-Jacques Rousseau.

«Goal» von Fulvio Bernasconi.

Vor 300 Jahren wurde Jean-Jacques Rousseau geboren, und das Werk des philosophischen Pädagogen wirkt noch immer nach in Reformschulen wie in Politikerreden.

Fulvio Bernasconi, Filmemacher aus dem Tessin, begeht das Rousseau-Jubiläum nun auf sehr eigene Weise. In seinem Film «Goal» spielt Rousseau für ein Philosophen-Team – Sokrates steht im Tor, Aristoteles und Platon bilden die Innenverteidigung, im Mittelfeld agieren unter anderen der Heilige Augustinus und Voltaire, es stürmen Marx und Kant. Der Kurzfilm spielt kurz vor dem grossen «Finale der Meisterschaft des Wissens» zwischen den Philosophen und den von Einstein angeführten Physikern, die die Poeten im Halbfinale vernichtend geschlagen haben.

Es ist nicht Franz Beckenbauer

Rousseau allerdings, die Hauptfigur des Films, wird wider Erwarten nicht für die Startaufstellung nominiert. Verärgert tritt er erst gegen eine Flasche, dann steht er auf und reklamiert. Sein Coach allerdings hat die passende Antwort parat. Ob in seinem Vertrag denn nicht stehe, dass ein Individuum zugunsten des Kollektivs zurückstecken müsse? «Zum Vorteil dieser Mannschaft verzichtest du auf dein Spielrecht», sagt er und bedient sich so einer verblüffend-schrägen Interpretation des rousseauschen «contrat social». Rousseau hält inne und willigt schliesslich ein. Später wird er als Einwechselspieler das Siegestor schiessen.

Woher Bernasconi sich seine Idee der kickenden Philosophen geborgt hat, ist offensichtlich. Die britischen Humor-Hasardeure von Monty Python liessen 1972 im «Fliegenden Zirkus» ein Team griechischer Philosophen gegen eine Equipe deutscher Geistesgrössen antreten, wobei die Griechen durch ein Sokrates-Tor in letzter Minute den Sieg davontrugen.

Auch die überraschende, eigentlich so nahe liegende Einwechslung aus der Fussballwelt adaptierte Bernasconi; plötzlich erscheint ein weltbekannter Altstar auf der Aufstellungstafel. So viel sei verraten: Es ist nicht, wie damals bei den Pythons, Franz Beckenbauer .

lsch

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