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Kurzfilm der Woche: Basels eigenwilligste Familie

Wie ist es, als Sohn eines homosexuellen Vaters aufzuwachsen? Sarah Horst zeigt das Konzept Familie von einer anderen Seite – und kommt den Protagonisten in ihrer Kurzdoku ganz nahe.

Der Film ist nicht mehr online verfügbar, eine DVD des Films kann aber über diesen Link bestellt werden:http://www.artfilm.ch/familiensache-dvd
Der Film ist nicht mehr online verfügbar, eine DVD des Films kann aber über diesen Link bestellt werden:http://www.artfilm.ch/familiensache-dvd

Sie ist per se nicht einfach, die Sache mit der Familie. Doch die Konstellation in Sarah Horsts Kurzdokumentarfilm «Familiensache» geht über die übliche Komplexität hinaus. Stünde die Geschichte in einem Drehbuch, man würde sie als zu übertrieben abtun. Da ist der Vater, ein lauter Exzentriker und passionierter Trinker, der mit gut 70 Jahren nun auf Spitex-Betreuung angewiesen ist. «Gib es ihm zurück, diesem Arschloch», kommentiert er das nach Hause gelieferte Mittagessen zum Sohn – der Widerstand eines Mannes, der immer anders war und der sich nichts sagen liess.

Und wie er anders war: In den 70er-Jahren gründete Hansjörg Bürgin die Basler Schluggstube, ein Lokal so plüschig-üppig, dass es an den Film «La Cage aux Folles» erinnert. Verrückt waren auch die Feste und Modeschauen, die er veranstaltete, Tinguely zählte zu seinen Freunden – «der ganze Basler Teig», wie der Sohn sagt. Der Sohn sagt auch: «Ich frage mich manchmal schon, was ich überhaupt mache auf dieser Welt.» Denn Bürgin ist und war schon immer homosexuell; Sohn Lukas war 16, als ihm dies bewusst wurde. «Warum sollte ein schwuler Mann ein Kind kriegen? Das verstehe ich bis heute nicht.» Die Mutter, nicht minder laut als der Vater, sagt: «Natürlich warst du ein Wunschkind.» Sie lebt mittlerweile im Emmental, mit einer anderen Frau. Auch das verstehe er nicht, doch es sei ihm egal, kommentiert der Sohn. Sie hätten immer schon «Lämpen» gehabt, seine Eltern. Beide tranken, bis die Aschenbecher flogen.

Die Protagonisten können vor Horsts Kamera so direkt sein, dass es einem als Zuschauer fast unangenehm wird. Ihr Blick auf die Familie ist denn auch ein ganz besonderer: Sie ist die Freundin von Sohn Lukas. So lässt sie ihn als das Familienmitglied hervortreten, das die exotische Familiengeschichte auf dem Boden hält. Mittlerweile führt er die Schluggstube des Vaters weiter. «Jedes Kind sucht sich eine Familie aus, weil es dort etwas zu tun hat», konstatiert er nüchtern und klingt dabei überhaupt nicht verbittert.

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