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Horror ist kein gutes Hobby

Die Zukunft war gestern: Mit der Spielberg-Hommage «Super 8» wird heute auf der Piazza Grande das 64. Filmfestival von Locarno eröffnet.

Wo ist eigentlich die Zukunft geblieben? Man könnte ja meinen, das abgegriffene Schlagwort des Historikers Francis Fukuyama vom «Ende der Geschichte» habe sich, wenn schon nicht in der wirklichen Welt, so doch in Hollywood erfüllt. Ausgerechnet in jenem Genre, das immer auch als imaginäres Labor für künftige Welten funktioniert hat, scheint das amerikanische Kino den Glauben an die Zukunft verloren zu haben: Sciencefiction, das Amalgam aus progressiver Fantasie und spekulativer Wissenschaft, findet dieser Tage bevorzugt in der Vergangenheit statt.

Zukunft war gestern: Erst werden die Mutanten der «X-Men» zwecks Neustarts in den Kalten Krieg geschickt, bald zieht ihr Superheldenkollege «Captain America» als biotechnologisch aufgerüsteter Übermensch in den Kampf gegen die Nazis. Die Technik, die in diesen Geschichten aufgeboten wird, greift zwar vor, aber die Schauplätze sind historisch. Hollywood, so scheint es, kann sich von der Zukunft kein Bild mehr machen.In Locarno wird solch rückwärtsgewandter Futurismus gleich zweimal mit Getöse über die Piazza Grande rauschen. Da sind natürlich Harrison Ford und Daniel Craig, die anno 1873 in einem Westernstädtchen von einer technologisch übermächtigen Armada aus dem Weltall überrollt werden («Cowboys & Aliens»). Und schon zur Eröffnung heute Mittwoch erleben wir in «Super 8» eine unheimliche Begegnung der dritten Art – angesiedelt in einer Kleinstadt irgendwo in Ohio, im Jahr 1979. Sciencefiction, das macht bereits der Titel deutlich, kippt hier vollends in den Modus der Nostalgie: In «Super 8» träumt das digitale Kino von der körnigen Unschuld einer Zeit, als es noch nicht einmal Video gab.

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