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«Genesis 2.0»: Es lebe das Mammut!

Im neuen Dokumentarfilm von Christian Frei («War Photographer») gehts weit zurück in der Zeit und weit vorwärts: ins Uralte der Schöpfung, wohin die Erinnerung nur noch als Poesie oder als Paläontologie reicht, und in die Zukunft der Genetik, die schon lang nicht mehr an Gottes Zorn oder den Fluch gestörter Tiergeister glaubt.

Auf den Neusibirischen Inseln suchen Männer im schmelzenden Permafrost nach Mammutstosszähnen. Das schlechte Gewissen lastet immer auf dem mühseligen Geschäft. Wegen der Störung einer würdevollen Totenruhe. Andererseits muss der Mensch ja leben, und wirklich profitables Glück ist ohnehin selten. Einmal aber fand ein Suchtrupp ein ganzes, gut erhaltenes Wollhaarmammut, Zähne, Rüssel, Skelett und Fell, sogar Blut floss aus dem angetauten Fleisch. Die Paläontologen kamen grad noch rechtzeitig, um den Leichnam zu sichern, und nun steht im Mammutmuseum von Jakutsk ein lebensechtes Urvieh. Aber damit solls nicht getan sein. Man hatte seinerzeit Blutproben des Kadavers in Reagenzgläser gefüllt, aktive DNA womöglich, und das schürte gleich die Hoffnung, es könne so ein Wesen wieder ins Leben geklont werden.

Der Direktor des Jakutsker Museums denkt da an ein Mammutoriginal. Ein Molekularbiologe wie der Amerikaner George Church eher an einen kälteresistenten Hybriden aus Mammut und Arbeitselefant. So oder so: Diese Zukunft des Reproduzierens hat schon begonnen. In Südkorea klont die Firma Sooam Biotech sehr erfolgreich Hunde, 900 sind es bis jetzt, und ein Zweitklon ist jeweils im Preis inbegriffen. Am Pekinger Genomics Institute wäre man für das Projekt Mammut durchaus zu haben und denkt seinerseits an die Herstellung von Menschen. Weil Gott nicht perfekt sei und weiss Gott Hilfe brauchen könne bei der Perfektionierung seiner Kreaturen.

Entspannte Ethik

Ein klug gestalteter Film. Christian Freis Co-Regisseur war der jakutische Filmemacher Maxim Arbugaev. Der hielt es wochenlang in Kälte bei den Zahnjägern aus, während Frei durch die Labore der Lebensingenieure ging wie durch eine futurologische Geisterbahn. Ein Panorama tut sich auf – von archaischer Schöpfungsdichtung bis zu ein paar wohlgelaunten, ethisch entspannten Erben des Doktor Frankenstein. Und ja, ein wenig kalt wird einem beim Zuhören manchmal schon.

Jetzt in den Kinos.

Christoph Schneider

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