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Freaks im Fantasieland

«The Greatest Showman» verwandelt das menschliche Kuriositäten­kabinett des Zirkuspioniers P. T. Barnum in ein glitzerndes Musicalspektakel – ohne Tiefgang.

Beau im Kuriositätenkabinett: Hugh Jackman.
Beau im Kuriositätenkabinett: Hugh Jackman.
zvg

Der US-amerikanische Schausteller und Zirkuspionier Phi­neas Taylor Barnum war nicht gerade das, was man landläufig als einen schönen Mann bezeichnen würde. Wollte man ihn typgerecht mit einem Hollywoodstar besetzen, käme einem als Erstes wahrscheinlich Tom Hanks in den Sinn, mit Sicherheit aber nicht Hugh Jackman.

Im Kuriositätenkabinett

Dass sich der australische Musikvideoregisseur Michael Gracey in seinem Kinodebüt dennoch für den virilen «Wolverine»-Darsteller entschied, lässt bereits erahnen, dass es ihm mit «The Greatest Showman» nicht in ­erster Linie um Realitätstreue ging. Wahrscheinlich hätte Gracey die Geschichte von Barnums menschlichem Kuriositätenka­binett aus dem 19. Jahrhundert, in dem Kleinwüchsige, bärtige Frauen, Albinos, siamesische Zwillinge oder «Hundemänner» einem staunenden und vor allem zahlenden Publikum vorgeführt wurden, sonst auch nicht als Musical inszeniert.

Es spricht freilich erst mal nichts dagegen, dass der Filmemacher und seine beiden Drehbuchautoren Bill Condon ­(«Dreamgirls») und Jenny Bicks («Sex and the City») die sensationsheischende Zurschaustellung menschlicher Abnormitäten in ein harmonisches Selbstfindungsmärchen umdichten. Wenn sie sich aber nicht an der Wirklichkeit messen lassen und sich nicht dem Vorwurf zynischer Geschichtsklitterung aussetzen wollen, wieso verpassen sie ihrem Zirkus und seinem Direktor dann keine Fantasienamen?

Diese Kröte muss man wohl schlucken, will man an «The Greatest Showman» seinen Spass haben. Also klappen wir die his­torischen Abhandlungen einmal zu und die Märchenbücher auf, in denen sich ein profitorientierter Zirkus in ein Refugium für Misfits verwandelt. Mit seinem farbenprächtigen Kinospektakel tritt Gracey in die locker-leichten Fussstapfen von «La La Land». Um sie wirklich auszufüllen, mangelt es dem geträllerten Pathos jedoch an seelischer Substanz.

Mit Starpower

Nichts gegen oberflächliche, fröhliche Unterhaltung, solange die Töne und Choreografien sitzen. Dafür immerhin ist in «The Greatest Showman» gesorgt, der dank Zac Efron, in der Rolle von Barnums Financier Phillip Carlyle, und Teeniestar Zendaya als Trapezkünstlerin und Carlyles Geliebte auch über die nötige Starpower verfügt.

Wirklich zünden wollen die Gesangseinlagen aber nicht. Nicht nur den routinierten Popsongs, denen die «La La Land»-Lyriker Pasek und Paul plakativ-sentimentale Textzeilen verpassten, fehlt das gewisse Etwas, sondern auch den klischeehaften Charakteren.

Aussergewöhnlich zu sein allein formt eben noch keine Persönlichkeit. Und die Botschaft vom ganz besonderen Schatz, der in jedem und jeder Einzelnen schlummert und nur darauf wartet, geborgen zu werden, ist im Hollywoodkino mittlerweile derart abgedroschen, dass sie nur dann noch zu überzeugen vermag, wenn sie auch auf entsprechend originelle Weise vermittelt wird. Ein paar «Freaks» vor der Kamera miteinander singen und tanzen zu lassen, genügt dafür jedenfalls nicht.

«The Greatest Showman»: jetzt im Kino.

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