Filz-Alarm beim Berner Filmpreis?

Mitte November werden die Berner Filmpreise verliehen. Zwei der prämierten Werke haben eine Verbindung zu Jurymitglied Madeleine Corbat. Akuter Filzalarm? Die Jurorin und das Amt für Kultur winken ab.

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Die Berner Filmszene ist ja nicht wirklich gross. Aber manchmal erscheint sie noch etwas kleiner, als sie ist, zum Beispiel, wenn es um Auszeichnungen geht. Preise sind mit Prestige verbunden, Preise sind mit Bargeld verbunden, Preise sind die Währung der Aufmerksamkeit in einem hart umkämpften Markt.

Wenn nun Mitte November der diesjährige Berner Filmpreis vergeben wird, kommen drei Werke zum Handkuss: Der Experimentalfilm «Spira mirabilis» von Martina Parenti und Massimo D’Anolfi (eine überwiegend italienische Produktion) gewinnt den Hauptpreis in Höhe von 25 000 Franken. Die Dokumentarfilme «Encordés» des Walliser Regisseurs Frédéric Favre sowie «Kinder machen» der Berner Regisseurin Barbara Burger erhalten je 10 000 Franken.

Nun mag man die Stirn runzeln, wenn Filme aus Italien und dem Wallis Preise in Bern erhalten, doch dies hat schon seine Richtigkeit. Sowohl «Spira mirabilis» wie «Encordés» entstanden unter Mitwirkung der Berner Produktionsfirma Lomotion. Beide Werke werden vom Berner Verleih Filmbringer in die Kinos gebracht.

Jurorin und Verwaltungsrätin

Heikel erscheint jedoch die Zusammensetzung der fünfköpfigen Filmpreisjury. Als Delegierte des Vereins Bern für den Film nahm dieses Jahr die Berner Produzentin Madeleine Corbat Einsitz. Corbat ist zugleich Verwaltungsrätin beim Verleih Filmbringer, der für die Kinoauswertung von «Spira mirabilis» und «Encordés» besorgt ist.

Eine offenkundige Interessenverflechtung? In den Bestimmungen des Berner Filmpreises steht: «Kein Jurymitglied darf massgeblich an einem aktuellen Film im Wettbewerb beteiligt sein.» Corbat sagt: «Das war ich bei keinem der eingegebenen Filme in irgendeiner Art und Weise. Ich bin im Verwaltungsrat der Filmbringer, das ist ein strategisches Organ und hat nichts mit dem operativen Geschäft zu tun.» Fakt ist indes, dass sich Corbat im letzten April aktiv einschaltete, indem sie den Newsletter von Filmbringer (mit den Premierendaten von «Spira mirabilis») per Mail weiterverbreitete.

Weiter hält Corbat fest: «Ich war eine von fünf Jurierenden, ich hätte also gar keinen Film irgendwie allein portieren können. Alles andere wäre eine Anmassung gegenüber meinen Jurykolleginnen und -kollegen.»

«Eine Gratwanderung»

Und was sagt das kantonale Amt für Kultur dazu? «Dass Madeleine Corbat im Verwaltungsrat von Filmbringer sitzt, ist für uns im Zusammenhang mit ihrer Funktion als Mitglied der diesjährigen Jury für den Berner Filmpreis kein Problem», sagt Christine Wyss, Leiterin der Kulturkommissionen. «Wir brauchen Experten, welche die Berner Filmszene genau kennen.»

«Dass die ­Zusammensetzung jeder Jury eine Gratwanderung darstellt, ist uns ­bewusst.»Christine Wyss, Amt für Kultur

Dass die Zusammensetzung jeder Jury eine Gratwanderung darstelle, sei ihr und den Mitarbeitenden der Kulturförderung bewusst. Damit ein breit abgestützter Entscheid sichergestellt werde, seien heuer drei ausserkantonale Experten für die Filmjury beigezogen worden. Einziges Problem: Auch da scheint nicht alles ganz lupenrein. Die Zürcherin Irene Loebell amtete als Jurypräsidentin. Ihr letzter Dokfilm «Life in Progress» kam 2015 in die Kinos – im Verleih von Film­bringer. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.10.2017, 09:37 Uhr

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