Experiment geglückt

Film

Die Organisatoren des Be-Movie-Festivals sprechen von einem Erfolg. 1700-mal wurde das zusätzliche Streamingangebot genutzt.

Im Kino Meiringen war die Hölle los.

Im Kino Meiringen war die Hölle los.

(Bild: Viktor Bachmann (Be Movie))

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Die Digitalisierung muss nicht des Teufels sein, das hat sich für die Organisatorinnen des Be-Movie-Filmfestivals am letzten Wochenende bestätigt. Mit dem Nachfolgeformat des Berner Filmpreisfestivals hat der Verein Bern für den Film die Flucht nach vorne gewagt: Während 72 Stunden konnten 21 der total 25 Filme, die im ganzen Kanton gezeigt wurden, auch gestreamt werden. Für 20 Franken, also zum Preis von einem Filmpass.

Im Filmrausch

Insgesamt wurden als 600 solcher Pässe verkauft und 1400 Eintritte in den zwölf Kinos gezählt. Zusätzlich wurde 1700-mal einer der Filme gestreamt. Sogar ganze Schulklassen haben gemeinsam Filme in den Klassenzimmern geschaut. Das sagt Anna Rossing, die Geschäftsleiterin von «Bern für den Film». Das Ziel, die preisgekrönten Berner Filme einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, scheint erreicht. Rossing spricht deshalb auch von einem Erfolg – und einem «Festivaleffekt».

Das Filmpreisfestival wurde 2016 nach zwei Ausgaben schon wieder abgeschafft, weil es nicht genug Zuschauer erreichte. Irgendwie, so meint Rossing, habe damals gar keine richtige Stimmung aufkommen können. «Wohl auch, weil die Filme während mehr als einer Woche gezeigt wurden.» 72 Stunden Berner Filme auf allen Kanälen scheint da doch etwas zeitgemässer. Sie habe von Besuchern gehört, die in einen richtigen Filmrausch gekommen seien, sagt Rossing. «Ich glaube, jetzt ist es ein richtiges Filmfestival.»

«Mario» war online top

Mit sechs Vorstellungen wurde der Dokumentarfilm «Das Leben vor dem Tod» am häufigsten in den Kinos gezeigt und lockte auch durchschnittlich am meisten Zuschauerinnen und Zuschauer an. Online war der Max-Hubacher-Streifen «Mario» der am meisten gestreamte Film. Er erhielt auch die besten Bewertungen und gewann deshalb den Publikumspreis.

Die meisten Lichtspielhäuser waren laut Rossing gut bis sehr gut besucht. Gerade die Veranstaltungen mit Stargast Max Hubacher («Der Läufer») im Berner Kino Rex sorgten für einen Ansturm. Aber es war eben nicht nur die urbane Zunft, die sich einem langen Filmwochenende hingegeben hat. Laut Rossing war etwa im Kino Meiringen gewissermassen die Hölle los, sodass an einem Abend noch zusätzliche Stühle hatten herangeschafft werden müssen. Auch das kleine Kino im Schloss Oberhofen platzte fast aus allen Nähten.

Ein Aspekt für den Erfolg war laut Rossing, dass die Kinobetreiber ihr Wochenendprogramm selber zusammenstellten und auf ihr Stammpublikum ausrichteten. Da waren Suppen gekocht, Cakes gebacken worden, es gab Apéros, Partys und Podiumsdiskussionen. «Wir wussten, dass es auf die einzelnen Kinos ankommen würde», sagt Rossing. Die hätten alle einen riesigen Aufwand gehabt, ohne dass, zumindest finanziell, viel herausspringe. «Da war viel Herzblut für das Berner Filmschaffen vorhanden.»

Ob das Format 2019 so weitergeführt wird, muss der Auftraggeber, die Berner Filmförderung, erst noch entscheiden.

Berner Zeitung

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