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Es muss auch anders gehen

Gegen die Ohnmacht in der ungerechten Welt braucht es positive Geschichten. Der Film «Fair Traders» erzählt drei.

Der Trailer zu «Fair Traders». Quelle: Youtube/kinofilme

Nino Jacussos vorletzter Film handelte von einem Indianermädchen. Als er ihn in Kanada einer Schulklasse zeigte, stellte ihm ein 15-jähriger Junge folgende Frage: Ob er glaube, dass die Indianer in Zukunft bessere Überlebenschancen hätten als die Menschen in der westlichen Kultur.

Jetzt, etwa vier Jahre später, steht der Solothurner Regisseur im Berner Kellerkino und sagt: «Ein solcher Zukunftspessimismus bei einem so jungen Menschen hat mich irritiert. Steht es wirklich so schlecht um die Welt? Gibt es überhaupt noch Menschen, die nicht rauben, ausbeuten und betrügen?»

Halunken in der Minderheit

Es gibt sie, und sie sind zahlreich. Die Halunken dieser Welt seien ja klar in der Minderheit, sagt Jacusso. Aber schon an der Filmschule habe er gelernt, dass die bösen Buben interessanter seien. Das gehe den Medien nicht anders. «Aber was passiert mit einem Menschen, der nur von Zerstörung und Ungerechtigkeit hört und liest? Er fühlt sich ohnmächtig.» Deshalb brauche es positive Geschichten – heute umso mehr.

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Jacusso hat sich auf die Suche gemacht und ist fündig geworden. Drei von ihnen hat er in einen Film gepackt: Er heisst «Fair Traders» und wird ab Sonntag an den Solothurner Filmtagen gezeigt.

Drei Porträts sind es geworden, ein globales, eine natio­nales und ein regionales. Drei eindrückliche, ineinander verwobene Dokumentarfilme über Menschen, die die Nase voll hatten von Wachstum, Gier und Egoismus, ja auch von der Sinnleere im Alltag.

Da ist Patrick Hohmann, Patron der Remei AG, einer Schweizer Firma, die in Indien und ­Tansania gemeinsam mit der Bevölkerung Baumwolle aus organischem Anbau und fairem Handel produziert. Patrick Hohmann arbeitet seit 1995 mit Coop zusammen und hat gemeinsam mit dem Grossverteiler das Biolabel Naturaline entwickelt. Der Film zeigt den Fair-Trade-Pionier als einen Mann, der die Welt gesehen, die Gier erlebt, verstanden und ihr abgeschworen hat. Die Szenen, in denen er von Absurditäten der globalen Wirtschaft erzählt, gehören zu den spannendsten und aufschlussreichsten des Films.

Neues Leben dank Bioladen

Da ist Sina Trinkwalder. Eine zupackende Frau mit dem Herz auf der Zunge und rabiater Ausdrucksweise. Sie hatte irgendwann genug von der Werbebranche und schmiss alles hin, um in Deutschland ein soziales Textilunternehmen aufzubauen. Ein Betrieb, der jenen einen Job gibt, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr hätten.

Und da ist Claudia Zimmermann. Eine Biobäuerin, die mit ihrem Mann im solothurnischen Buchegg einen Bioladen aufbaut und damit einem typischen «Schlafdorf» wieder Leben einhaucht.

Je ungefähr ein Jahr hat Nino Jacusso seine Protagonisten immer wieder begleitet. Im Film kommt es einem aber vor, als wäre er ein Jahrzehnt mit der Kamera bei ihnen gewesen: weil so viel passiert, sich laufend Neues entwickelt, immer neue Probleme auftauchen. Ausruhen liegt nicht drin. Der Film zeigt deutlich, wie schwer es ist, fair zu bleiben in dieser Welt.

Patrick Hohmann spricht davon, dass er manches Mal kurz davor war, alles hinzuschmeissen. Biobäuerin Claudia Zimmermann sagt es gleich mehrere Male: Sie rechne ganz absichtlich nicht. Geld verdiene sie sowieso kaum. Und bei Sina Trinkwalder ist die Kamera sogar dabei, wenn sie ihren Angestellten eine Standpauke halten muss, weil die abgerechneten Stunden nicht stimmen, dass also jene, denen sie den Job erst ermöglicht hat, ihr in den Rücken gefallen sind.

Happy Ends gibt es nur in Hollywood. Der Kampf endet nicht. Deshalb ist «Fair Traders» nicht einfach wieder nur ein Film über wohlstandsverwöhnte Möchtegern-Weltretter. Sondern einer mit Hand und Fuss, der von gewöhnlichen Menschen erzählt, die ihren Weg gehen, allen Widrigkeiten zum Trotz, weil sie schlicht und einfach daran glauben, dass es auch anders geht und gehen muss. Drei Geschichten aus der Mitte des Lebens, die einen noch mal anders über gute Vorsätze nachdenken lässt.

Nino Jacusso bringt es auf den Punk: Schon sein Handwerkslehrer in der Schule habe ihm gesagt: Wer mit einem Hammer in die Welt gehe, sehe nur Nägel. «Wenn man aber das Positive sucht, findet man es auch.»

Fair Traders an den Solothurner Filmtagen: 27.1., 15 Uhr, Landhaus, und 30.1., 12 Uhr, Reithalle. Ab 14. Februar in den Kinos.

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