Zum Hauptinhalt springen

«Es ist unglaublich»

Heute Abend startet das Zurich Film Festival. Direktor Karl Spoerri erklärt, warum er praktisch nie weibliche Stars auszeichnet. Und warum Locarno vom Bund viel mehr Geld erhält.

Verhalf vielen zu ein bisschen Facebook-Ruhm: Hugh Jackman posierte in Zürich. (28. September 2013)
Verhalf vielen zu ein bisschen Facebook-Ruhm: Hugh Jackman posierte in Zürich. (28. September 2013)
Keystone
Der Star nahm sich Zeit: Jackman inmitten jugendlicher Fans. (28. September 2013)
Der Star nahm sich Zeit: Jackman inmitten jugendlicher Fans. (28. September 2013)
Tom Kawara
Tom Kawara
1 / 13

Herr Spoerri, gibt es eine lebende Schauspielerin, von der Sie sagen würden: Das ist eine Ikone? Ja, da gibt es eine Menge. Eine nicht besonders originelle, aber naheliegende Antwort wäre: Meryl Streep. Oder auch Catherine Deneuve. Das Zurich Film Festival vergibt heuer zum sechsten Mal den Golden Icon Award – wieder an einen Mann. Warum haben Sie es noch immer nicht geschafft, eine Frau zu ehren? Ich weiss, es ist unglaublich. Da steckt keine Absicht dahinter. Bei uns im Team arbeiten ja praktisch nur Frauen, da höre ich das auch ständig. Bislang waren wir einfach recht erfolglos darin, weibliche Stars zu überzeugen, zu uns zu kommen. Oder sie waren zwar da, aber es hat sich dann anders ergeben. Wie letztes Jahr mit Susan Sarandon, die wir genauso gut hätten auszeichnen können. Dass sie wirklich kommen würde, zeichnete sich jedoch erst ab, als Richard Gere schon feststand. Bis auf das Xenix und das Kino Riffraff sind sämtliche Kinobetreiber der Stadt am Zurich Film Festival beteiligt. Gibt es Bestrebungen, diese letzten Bastionen auch noch einzubinden? Es gibt keine konkreten Pläne. Aber von unserer Seite wäre das sicher denkbar und sogar wünschenswert. Wir gehen Schritt für Schritt vor. Wenn man ein Festival örtlich zu sehr auseinanderreisst, riskiert man, dass das Herz verloren geht. Das ist mit ein Grund, weshalb wir da noch zurückhaltend sind. Aber für die Zukunft ist das sicher interessant. Man muss aber auch sehen: Der Kreis 5 mag für Zürcher selbst extrem wichtig sein. Aber für unsere ausländischen Gäste befinden sich die eigentlichen Institutionen der Stadt nach wie vor rund um das Seebecken. Das heisst, Sie wollen mit dem Festival dereinst die ganze Stadt einnehmen? Das wäre schön, ja. Seit dem ersten Festival im Jahr 2005 im Kino Plaza konnten wir bis jetzt zusammen mit unserem Publikum immer ein bisschen wachsen. Wir sind ja kein Festival, das von Anfang an gross war, weil es mit viel Geld von Stadt und Kanton einfach hingepflanzt wurde. Da gibt es andere Beispiele. Welche denn? Das Festival in Rom. Da stellte die Regierung gleich mal zehn Millionen Euro zur Verfügung und sagte: Jetzt bauen wir ein grosses Festival auf. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir haben klein angefangen. Der Bund hat nun seine Unterstützung für das Zurich Film Festival auf 150'000 Franken pro Jahr aufgestockt, trotzdem entfallen von der eidgenössischen Festivalförderung weniger als fünf Prozent auf Zürich. Sie haben das kürzlich mit politischen Seilschaften erklärt. Wie meinen Sie das? Wenn man sich die ganze Schweiz anschaut, gibt es Regionen, die man kulturpolitisch stärker unterstützen will als Zürich, das ja schon ein breites kulturelles Angebot hat. Da ist es verständlich, wenn der Bund bei der Festivalförderung auch auf einen regionalen Ausgleich bedacht ist, auch wenn das Bundesamt für Kultur ja eigentlich nicht für Standortförderung zuständig ist. Im Tessin ist es klar: Das Festival in Locarno hat eine extrem grosse Bedeutung für die ganze Region. Dann spielt sicher auch die Historie eine Rolle, und die Überzeugung, dass man einem Festival, das man einmal unterstützt hat, nichts mehr wegnehmen kann. In Ihren Augen muss man die grosszügige Unterstützung, die Locarno vom Bund erhält, also vor allem auch als Beitrag für einen strukturschwachen Kanton sehen? Genau. Wobei ich damit nicht meine, dass das Festival in Locarno diese Unterstützung nicht verdient hätte. Welche Kritik am Zurich Film Festival ärgert Sie am meisten? Der Vorwurf, dass unser Festival nur aus Stars und Glamour bestehe. Unser Programm hat da wesentlich mehr zu bieten und die Filme haben diese Aufmerksamkeit verdient.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.