Zum Hauptinhalt springen

Elterliches Tauziehen

In der bewegenden Beziehungsstudie «What Maisie Knew» kämpfen eine Rocksängerin und ein eitler Kunsthändler um das Sorgerecht ihrer Tochter.

Die entnervte New Yorker Rocksängerin Susanna (Julianne Moore) braucht nicht lange, um ihrem Ehemann Beale (Steve Coogan) zu vermitteln, dass sie seine ewige Nörgelei satt hat. Kurzerhand wirft sie ihren Gatten am späten Abend aus ihrem Appartement und tauscht die Türschlösser aus.

Das fürsorgliche Kindermädchen Margo (Joanna Vanderham) nimmt die kleine Tochter bei dem Streit aus der Schusslinie und lenkt sie geschickt ab. Dabei gerät sie selbst zwischen die Fronten.

Die Vorlage zu diesem emotionsgeladenen Eltern-Kind-Drama lieferte der Schriftsteller Henry James 1897 mit seinem Roman «What Maisie Knew», den die Drehbuchautoren Nancy Doyne und Carroll Cartwright als zeitgenössische Adaption in das heutige New York versetzt haben.

Tochter als Pingpong-Ball

Mit dieser bewegenden Beziehungsstudie konnten sie nicht nur Hauptdarstellerin Moore begeistern, sondern auch das bisher eher unbekannte Regie-Duo David Siegel und Scott McGehee. Ebenfalls im Team mit dabei: Produzentin Daniela Taplin Lundberg, auf deren Konto bereits die Oscar-nominierte Familienkomödie «The Kids Are All Right» um zwei lesbische Mütter und deren Kinder ging.

Mit dem Streit um das Sorgerecht beginnt in «What Maisie Knew» ein heftiges Tauziehen um das sechsjährige Mädchen, dessen Gefühle und Bedürfnisse von den Eltern gar nicht mehr wahrgenommen werden. Die freakige Sängerin und der eitle Kunsthändler sind so stark mit ihrer Karriere beschäftigt, dass die Kleine nur noch wie ein Pingpong-Ball zwischen ihnen hin- und hergeworfen wird.

Mit geduldiger Gelassenheit zieht das kleine Mädchen für ein paar Tage zum Vater, der das attraktive Kindermädchen geheiratet hat, um kurz darauf wieder zur Mutter umzusiedeln, die inzwischen mit einem jüngeren Barkeeper (Alexander Skarsgård) liiert ist.

Warmherzig und humorvoll

Trotz grosser existenzieller Themen wie dem Verlust des Zuhauses und der damit verbundenen Orientierungslosigkeit ist «What Maisie Knew» ein zutiefst warmherziger und mitunter humorvoller Film, der sich mit dem Zerfall der herkömmlichen familiären Strukturen auseinandersetzt, ohne dabei die Protagonisten zu verurteilen.

Beim Internationalen Filmfestival in Toronto eroberte diese Geschichte, die hautnah aus der Sicht eines Kindes das emotionale Gefühl einer Trennung, aber auch das eines Neuanfangs vermittelt, bereits im Sturm die Herzen des Publikums.

SDA

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch