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Eine Frau mit Witz, Eloquenz und Intelligenz

Regisseurin Angelina Maccarone hat mit «The Look» der Schauspielerin Charlotte Rampling ein filmisches Denkmal gesetzt – so ungewöhnlich wie das Sujet selbst.

Im Laufe ihrer 45-jährigen Schauspielkarriere hat Charlotte Rampling zwar in vielen grossen und erfolgreichen Produktionen gespielt, gleichwohl hat sie sich den Ruf als unangepasste Künstlerin bewahrt.

Auch Maccarone hat stets versucht, mit bestehenden Konventionen zu brechen. Da überrascht es nicht, dass Maccarones Porträt der grossen Schauspielerin kein sich artig an Lebensdaten entlanghangelnder Film geworden ist.

Tatsächlich spielen biografische Daten keinerlei Rollen. Lediglich einige treffend ausgewählte Ausschnitte aus Ramplings Filmen «Max, mon Amour» von Nagisa Oshima und «Der Nachtportier» von Liliana Cavani verschaffen dem Zuschauer eine Atempause zwischen den intensiven Gesprächen mit der Schauspielerin.

Neun Themen-Kapitel

Für die neun thematischen Kapitel hat Maccarone Begegnungen mit Weggefährten und Freunden der 66-Jährigen arrangiert. Mit Paul Auster unterhält sich Rampling auf seinem Hausboot über das Alter, mit dem Fotografen Juergen Teller über Tabus, mit dessen Kollegen Peter Lindbergh über das Exponiertsein. Weil die Gesprächspartner langjährige Vertraute sind, finden die Unterhaltungen auf einer sehr privaten, bisweilen geradezu intimen Ebene statt.

Oberflächliches Geplänkel hat weder Maccarone noch Rampling interessiert. Stattdessen strukturiert die klare und strenge Form die thematisch eingegrenzten Gesprächsrunden und bietet Rampling ein ideales Feld für die Selbstinszenierung. Mit jedem Kapitel gibt sie neue Einblicke in ihr Wesen und ihre Wahrnehmung.

Der vielbeschworene Blick

Manchmal sind es lediglich Allerweltserkenntnisse über die Liebe und das Leben, dann wieder geradezu philosophische Auseinandersetzungen über innere Dämonen und Sehnsucht. Rampling beweist sich dabei nicht nur als Frau mit Witz, Eloquenz und Intelligenz, sondern sie zeigt, dass sie auch in diesem Dokumentarfilm mit ihrer Präsenz und ihrem vielbeschworenen Blick die Leinwand zu beherrschen vermag.

«Für ihre eigene Generation stets stilbildend, ist sie auch für uns Nachfolgende eine Ikone», schwärmt Regisseurin Maccarone. «Keine verkörpert sexuelle Selbstbestimmung lässiger als sie, vom Chelsea Girl im Swinging London der 60er Jahre bis zur reifen Frau von heute, deren intelligenter Sexappeal all die glattgesichtigen Models ins Kinderzimmer verweist.»

Klug und mutig

Bei der Wahl ihrer Rollen ist Rampling immer wieder Risiken eingegangen, hat mutige Regisseure unterstützt und Provokationen ebenso wenig gescheut wie radikale Selbstentblössung.

Das klug montierte und auch auf der Bildebene gut durchdachte sowie ansprechende Filmporträt lässt nun erspüren, was Rampling über die Jahre angetrieben hat. Und auch, welche Kraft es erforderte, um sich diese Souveränität und künstlerische Freiheit im wahrlich nicht einfachen Filmgeschäft zu erkämpfen.

Deutschschweizer Kinostart 24.11.

SDA/phz

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