Ein «Bundeshouse of Cards»?

Netflix und Co. sollen den Schweizer Film fördern. Das meinen Parlamentarier zum Vorschlag aus dem BAK.

Der Bund will, dass Anbieter wie Netflix, HBO oder Amazon verpflichtet werden, einen Teil ihrer Einnahmen hierzulande zu reinvestieren.

Der Bund will, dass Anbieter wie Netflix, HBO oder Amazon verpflichtet werden, einen Teil ihrer Einnahmen hierzulande zu reinvestieren.

(Bild: Patric Spahni)

Sarah Fluck@sa_fluck

Gibt es statt einer neuen Staffel «Orange is the New Black» bald eine Gefängnisserie aus Hindelbank oder ein «Bundeshouse of Cards»? An den Solothurner Filmtagen informierte Ivo Kummer, Filmchef beim Bundesamt für Kultur (BAK), über seine neuen Pläne. Er schlägt vor, dass künftig Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon eine Abgabe leisten sollen – im Umfang von 4 Prozent der hierzulande generierten Einnahmen. Eine solche soll in die Schweizer Filmförderung oder als Direktinvestition beispielsweise in Koproduktionen fliessen und existiert bereits für nationale Unternehmen.

Fördergelder im Millionenbereich

Gegenüber dem SRF erklärte Kummer am Freitag, dass es ihm bei diesem Vorschlag um eine Gleichbehandlung aller Anbieter gehe. Auch handle es sich dabei nicht etwa um eine Steuer. «Sie bekommen etwas dafür, beispielsweise Übertragungsrechte», sagte Kummer. Er ist überzeugt, dass mit dieser Massnahme Fördergelder im einstelligen Millionenbereich zusammenkommen könnten.

Weiter sollen die Streaming-Dienste in der Schweiz – wie bereits in der EU – verpflichtet werden, auf ihren hiesigen Plattformen 30 Prozent europäische Inhalte anzubieten. Gemäss Kummer sei eine solche Quote leicht zu erreichen, da gemäss Studien bereits 28 Prozent der Streaming-Filme und Serien aus Europa stammten.

Sanktionen schwierig

Das BAK wird die Vorschläge in den Entwurf der Kulturbotschaft 2021–2024 einfliessen lassen, zu der in diesem Frühling die Vernehmlassung beginnt. Bereits positiv äussert sich SP-Nationalrat und Präsident des Branchenverbandes Cinésuisse, Matthias Aebischer. Es sei richtig, dass auch Online-Anbieter Filmabgaben zahlen würden, sagte er dem SRF.

Auch CVP-Nationalrat Philipp Kutter stellt sich hinter eine Abgabe an die Filmförderung. Inhaltliche Vorgaben, wie die 30-Prozent-Quote eine sei, müssen für ihn aber noch überdacht werden.

Nationalrätin Irène Kälin (Grüne) befürwortet zwar die Quote, sieht aber bei der Umsetzung der 4-Prozent-Abgabe Hürden, auch wenn sie diese begrüsst: «In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass sich eine Umsetzung von solchen rechtlichen Forderungen und allfällige Sanktionen bei internationalen Grossfirmen als schwierig herausstellen.» Netflix wie Amazon Prime äusserten sich bislang nicht.

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