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Dieses würdevolle Geschöpf

In «Der Bär in mir» gelingt es dem Berner Filmemacher Roman Droux, nur mit der Kraft der Bilder alles über den Umgang mit diesem anmutigen Tier zu sagen.

Näher als in diesem Film kommt man diesen Tieren sonst nie. Weder im Bärenpark noch dereinst im Dorfwald bei Schwarzenburg oder im Gurnigelwald in der Gemeinde Riggisberg.

Mit «Der Bär in mir» hat es der Berner Filmemacher und Geograf Roman Droux geschafft, dieses anmutige Geschöpf in seinem ganzen Wesen zu zeigen. Es ist ein stiller Film geworden, mit sanftem Humor, voller Demut, Bewunderung, mit Bildern von ungewöhnlicher Schönheit.

Roman Droux hat sich mit dem Filmprojekt einen lang gehegten Traum erfüllt: jenem Wesen von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten, das ihn immer fasziniert hat. Als Kind half ihm ein Teddybär beim Einschlafen. Als Berner mit Jahrgang 1976 kennt er die Tiere auch aus dem Bärengraben.

Im Frühsommer 2013 besuchte er den bekannten Biologen und Bärenforscher David Bittner und verbrachte drei Monate in der Wildnis an der Südküste Alaskas. Ein Ort, wo mehr Bären leben als Menschen.

Der Berner Filmemacher Roman Droux. Foto: Christian Pfander
Der Berner Filmemacher Roman Droux. Foto: Christian Pfander

In einem Zelt und nur geschützt von einem schrecklich dünnen, batteriebetriebenen Elektrozaun kommen die beiden den Tieren unglaublich, um nicht zu sagen beängstigend, nahe. Immer wieder kommen Kameras dabei zu schaden, weil sich einer dieser riesigen Braunbären zuerst schnüffelnd dem Gerät nähert und ihm dann einen Hieb versetzt.

Schön und erbarmungslos

Roman Droux hat David Bittner vor Jahren an einem seiner Vorträge kennen gelernt. Schon als Jugendlicher unternahm David Bittner auf den Spuren der Lachse wochenlange Kajaktrips durch Alaska. Nur: Wo es viele Lachse gibt, sind Bären nie weit.

Eines morgens stand David Bittner einem riesigen Männchen gegenüber. Es ist der Beginn einer Freundschaft und einer Liebe für diese würdevollen Tiere. Der Film zeigt nun, wie sich Bittner und Droux gemeinsam auf die Suche nach dem Bärenmännchen Balu und der jungen Bärin Luna machen.

Die ersten Sonnenstrahlen haben die Tiere gerade aus ihrem sechsmonatigen Winterschlaf geholt. Anfänglich noch Fremdkörper, werden Bittner und Droux nach und nach Teil dieser rohen Natur. Sie sind umgeben von Wildtieren aller Art, vor allem aber von sehr, sehr hungrigen Bären. In wenigen Wochen sollen die Lachse eintreffen, die auf ihrer Heimkehr zu ihrem Laichplatz den Fluss hinaufschwimmen werden.

Das aber dauert – der Hunger macht den Bären zu schaffen. In dieser Zeit erleben Droux und Bittner – und somit auch der Zuschauer – das Zusammenspiel von Schönheit und Erbarmungslosigkeit der Natur. Sie müssen zusehen, wie eine entkräftete Bärenmutter versucht, ihre Jungen durchzubringen.

Sie erleben blutige Auseinandersetzungen zwischen Bärenmännchen, Kannibalismus und den Überlebenskampf wehrloser Bärenkinder hautnah mit. Die Aufnahmen gehen einem nah. Das tiefe, mächtige Schnaufen der Bären sorgt für Hühnerhaut, der sanfte, ruhende Blick für Staunen. Das wunderbare an diesem Film ist, dass der Mensch keine Rolle spielt. Droux und Bittner sind stille, demütige Bewunderer.

Ohne Mahnfinger

Es sind eindrückliche Szenen, wenn David Bittner nur wenige Meter entfernt von einem dieser riesigen und vor allem hungrigen Braunbären im Gras sitzt und selig lächelt. Ohne Angst, aber mit Respekt. Und richtig lustig wird es, wenn sich ein Bärenjunges ausgiebig an einem Baum den Rücken kratzt oder ein anderes beim Lachsessen Schluckauf bekommt.

Ein Kniff des Films ist aber auch, dass Droux – abgesehen von einer kurzen Szene, die das Ankommen der Lachsfischer zeigt – nie moralische oder ethische Themen direkt anspricht. Droux überlässt alles der Kraft seiner Bilder. Ohne Mahnfinger.

Die Inuit, die indigene Volksgruppe Alaskas, so erzählt es Droux im Film, sehen sich als Nachfahren dieser Bären, also als ihre Kinder. Droux hat es geschafft, mit seinem Film den kindlichen Blick zu bewahren. Besser kennen lernen kann man Bären nicht.

«Der Bär in mir» von Roman Droux. Mit der Stimme von Markus Signer. Ab Donnerstag in den Kinos.

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