Die Unzertrennlichen

Melancholisch und monströs: Die Gangsterballade «Le fidèle» erzählt eine fesselnde Lovestory bis zum bitteren Ende.

Offizieller Trailer zu «Le fidèle». <i>Video: Youtube/ SavageFilmChannel</i>

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Er heisst Gigi, sie heisst Bibi, aber natürlich sollte man sich von ­solchen Kosenamen nicht ins Bockshorn jagen lassen. «Le fi­dèle» ist kein Kinderfilm, sondern ein Melodram, in dem die Hauptfiguren unablässig ihre Grenzen testen – er als Bankräuber, der Besserung verspricht, sie als vom Vater gesponsorte Rennfahrerin, die ehrliche Antworten verlangt.

Das kann zu Unstimmigkeiten im Liebesleben führen, und dennoch ist «Le fi­dèle» womöglich der wärmste Film in düsteren Angelegenheiten, den man sich vorstellen kann.

Regisseur Michael R. Roskam greift hier auf die Geschichte(n) einer echten Bankräuberbande zurück, die in den Neunzigerjahren in Belgien ihr Unwesen trieb. Und ja, der Mann kennt sich aus mit Mafia und Moneten. Roskams belgischer Debütfilm «Bullhead» (2011) handelte von einem bulligen Rinderzüchter, der sich mit der Hormonmafia anlegt.

In den USA drehte er darauf die ­melancholische Gangsterballade «The Drop» (2014, mit James Gandolfini in seiner letzten Rolle). Und was der Regisseur an düsterer Atmosphäre auf die Leinwand wuchtete, hätte ihn eigentlich zum neuen Hollywoodmagier machen müssen.

Die Kathedrale des Leidens

Doch es kam anders. Roskam kehrte nach Belgien zurück, und da zeigt er abermals, was er am besten kann: das Jonglieren mit Emotionen und Konventionen. Sei es beim Überfall auf einen Geldcamion, der mit einem heruntergekippten Frachtcontainer gestoppt wird, sei es im Fall des Titelhelden Gigi (Matthias Schoenaerts), der als Flüchtender in einem Tunnel strandet, die wie eine Kathedrale des Leidens ausgeleuchtet ist.

Tränen wie Ozeane

Schade bloss, dass die rasant aufgegleiste Amour fou in der zweiten Hälfte zur ungestümen Abfolge von Schicksalsschlägen wird. Da passen die Mosaikstücke nicht mehr, sie werden schlicht plattgewalzt.

Dennoch sollte man diesen Film nicht verpassen, denn erstens trägt die unglaubliche Adèle Exarchopoulos («La vie d’Adèle») Tränen wie Ozeane in den Augen, und zweitens geht es einem als Zuschauer wie immer bei Roskam: Die Bilder, die er findet, kriegt man nicht mehr aus dem Kopf.

«Le fidèle»: Vorpremiere heute, 18.30 Uhr, Kellerkino Bern. Ab 21.12. im Kino.

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