Die Poesie des Ungesagten

Mit Christian Bale und Natalie Portman hat der Kult-Regisseur Terrence Malick sein neustes Drama «Knight of Cups» wie immer prominent besetzt.

Poetische Bildsprache: In «Knight of Cups» scheint Regisseur Terrence Malick planlos zu experimentieren. Den Hauptdarstellern Christian Bale und Natalie Portman gefällts.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Poetische Bildsprache: In «Knight of Cups» scheint Regisseur Terrence Malick planlos zu experimentieren. Den Hauptdarstellern Christian Bale und Natalie Portman gefällts.

(Bild: zvg)

Der erfolgreiche Hollywood-Autor Rick (Christian Bale) wird von einer inneren Leere geplagt, die mit familiären Ergeignissen zusammenhängt. Er tröstet sich mit spärlich bekleideten Damen über seine Depressionen hinweg, er wirkt beziehungsunfähig. Das vulgäre Luxusleben in Los Angeles lenkt ihn von seiner existenziellen Krise ab – oder ist es am Ende gar der Grund dafür?

Dies ist – vielleicht – die Geschichte von «Knight of Cups», dessen Titel auf eine Tarot-Figur anspielt. Erklärende Dialoge fehlen in dem Film weitgehend, raunende Stimmen aus dem Off begleiten die Sinnsuche mit kryptischen Verweisen, Christian Bale sieht man meist von hinten, oft sind belanglos wirkende Details im Bild, und das Geschehen erschliesst sich – wenn überhaupt – nur assoziativ.

Film ohne Regeln

Terrence Malick hat einmal mehr einen poetischen, sehr persönlichen Film gedreht, und dafür verdient er Respekt, denn das gelingt in Hollywood sonst kaum noch jemandem. Gleichzeitig hat der Filmemacher aber die Regeln des narrativen Kinos endgültig über Bord geworfen: Wer schon Malicks «The Tree of Life» und «To the Wonder» schwer zugänglich fand, wird sich hier in seiner Aversion gänzlich bestätigt fühlen. Malick-Fans hingegen können das Werk als sein bisher kompromisslosestes begrüssen.

Weil Malick prinzipiell keine Interviews gibt, waren es an der diesjährigen Berlinale die beiden Stars Christian Bale und Natalie Portman, die «King of Cups» vor der Presse bewarben. Beide hatten allerdings bis zur Sichtung des fertigen Films keine Ahnung, was sie überhaupt promoten mussten: Gefilmt wurde ohne Drehbuch, nur mit spontanen Anweisungen.

Er nimmt, was er bekommt

Da liegt die Frage auf der Hand: Warum begeben sich Weltstars dieser Klasse überhaupt in die Hände eines Filmschaffenden, der – so kommt es einem vor – planlos experimentiert? Christian Bale meint dazu im Gespräch: «Terrence Malick ist bei Schauspielern beliebt, weil er nicht irgendwelche Dinge von uns fordert, sondern nimmt, was er bekommt. Er experimentiert auch nicht einfach herum: Er sucht die Wahrheit.» Und weiter: «Wenn man derart frei ist, wächst man als Schauspieler über sich hinaus und wird zu mehr Ehrlichkeit animiert.» Da mache es auch nichts, wenn Malick im besten Moment, den man als Schauspieler je gehabt habe, in einer anderen Ecke stehe und den Saum eines Vorhangs filme. Natalie Portman lächelt und bestätigt: «Niemand wusste, was letzlich im Film landen würde. Das gilt auch für einen zweiten Spielfilm, den er parallel dazu mit uns gedreht hat: Ich trage darin blonde Haare – sofern ich im Endschnitt überhaupt vorkomme.» Auch in «Knight of Cups» ist Portman nur am Rande zu sehen: Sie war gerade einmal vier Tage auf dem Set.

Sowohl Bale als auch Portman bestätigen, die Dreharbeiten mit Malick seien ausserordentlich inspirierend gewesen: Als reiner Zuschauer von «Knight of Cups» hingegen muss man sich diese Inspiration schon selbst zusammenreimen.

«Knight of Cups»: Ab Donnerstag, 3.9.15 im Kino.

Berner Zeitung

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