Der Mond ist nah

Vor 46 Jahren platzierte der US-Astronaut Charlie Duke ein Foto seiner Familie auf dem Mond. Jetzt macht der Berner Rob Lewis das Abenteuer in einem Film hör- und fühlbar.

Fotograf Rob Lewis (links) ist fasziniert von Charlie Duke. In den Händen hält der Astronaut eine Kopie des Bildes, das er auf dem Mond ­zurückliess. Bilder: PD/Rob Lewis Photography

Fotograf Rob Lewis (links) ist fasziniert von Charlie Duke. In den Händen hält der Astronaut eine Kopie des Bildes, das er auf dem Mond ­zurückliess. Bilder: PD/Rob Lewis Photography

Charlie Duke ist vierjährig, als er zu Besuch bei seinen Grosseltern ist, irgendwo in einem staubigen Kaff im US-Bundesstaat South Carolina. Sein Grossvater nimmt ihn mit ins Lebensmittelgeschäft. Er hat versprochen, seinem Enkel eine Glace zu kaufen. Bevor er das tut, nimmt er den kleinen Charlie in die Arme, schmeisst ihn hoch in die Luft und fängt ihn wieder auf. Kurze Zeit später stirbt der alte Mann bei einem Verkehrsunfall. Dieses Erlebnis, sagt Duke, der heute 82 Jahre alt ist, sei eine seiner ersten Kindheitserinnerungen. Und vielleicht ist es ja auch dieses Erlebnis, das dazu geführt hat, dass aus Duke ein berühmter Astronaut geworden ist.

Charlie «Gee Whiz» Duke war 36 Jahre alt, als er Teil der Nasa-Mission Apollo 16 wurde. Am 20. April 1972 betrat er als zehnter und bis heute jüngster Mann den Mond. Kurz bevor dieser Traum wahr wurde, hatte er seine beiden Söhne gefragt, ob sie denn mit ihm auf den Mond fliegen würden, wenn sie dürften. Sie sagten: «Ja, logisch.»

Schlechtes Gewissen

Natürlich aber konnte Duke die Kinder nicht mit in die Raumfähre nehmen. Das machte ihm ein schlechtes Gewissen. Und so steckte der Mann ein Foto seiner Familie in den Raumanzug und platzierte es auf dem Mond. Mit seiner Mondkamera schoss er ein Bild des Bildes. Das Familienbild liegt noch heute auf dem Mond, das Bild des Bildes ging nach ­Ende der Mission um die Welt. Es hängt heute im Naturhistorischen Museum in New York.

Und ebendort, in New York, hat Rob Lewis das Foto entdeckt. Die Geschichte dahinter liess den Berner Fotografen, der 2016 mit dem Buch «ich bin. bin ich?» über Demenz für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, nicht los. Und so schuf der 37-Jährige einen Film über Charlie Dukes Reise zum Mond.

Lewis’ Werk heisst «Lunar Tribute» – und es ist nicht genau das, was man sich gemeinhin unter einem Dokumentarfilm vorstellt. In dem knapp 40-minütigen Streifen lässt Lewis den Astronauten Duke an einem Tisch in seinem Haus in Texas Fragen zu seiner Geschichte beantworten. Das ist meistens spannend und dank Dukes tiefer Grossvaterstimme auch entspannend zum Zuhören.

Zu einem richtig stimmigen Ganzen aber wird Lewis’ Film erst durch das Spiel des Zürcher Schlagzeugers Jojo Mayer, der in New York lebt und arbeitet. Mayer ergänzt Dukes Erzählungen, indem er sie vor einem rie­sigen computeranimierten Mond auf dem Schlagzeug hörbar macht. Er habe die Gelegenheit erhalten, mit seinem Instrument Gefühle zu artikulieren, die ein Mensch erlebt, der den Planeten verlässt, sagt Mayer. Und das gelingt ihm gut.

Der Trailer zu «Lunar Tribute». Quelle: Vimeo/lunar-tribute.com

Spürbare Reise

In «Lunar Tribute» sehe man die Reise zum Mond nicht, heisst es im Pressetext. Man spüre sie. Das trifft es exakt. Am Osterwochenende sind Berner Premieren in Thun und Bern. Nach der Filmvorführung spielt Jojo Mayer mit der Band Nerve ein Konzert.

Berner Premieren mit Konzert: Freitag, 30. März, 18 Uhr, Konzepthalle 6, Thun; Samstag, 31. März, 20 Uhr, Dampfzentrale, Bern. Infos: www.lunar-tribute.com.

Berner Zeitung

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